Aussichtsloses Warten auf einen Termin:

Neurologen-Notstand zehrt an den Nerven der Patienten

Wer in der Region rund um die Viertorestadt einen Termin beim Nervenarzt benötigt, muss sich auf lange Wartezeiten gefasst machen. Ob der Vorstoß der Bundesärztekammer hilft, bleibt abzuwarten.

Wer einen Überweisungsschein von seinem Hausarzt hat, hat noch lange keinen Termin beim Facharzt. Diese Erfahrung machen insbesondere die Patienten, die im Nordosten einen Neurologen beziehungsweise Psychiater suchen.
Arno Burgi Wer einen Überweisungsschein von seinem Hausarzt hat, hat noch lange keinen Termin beim Facharzt. Diese Erfahrung machen insbesondere die Patienten, die im Nordosten einen Neurologen beziehungsweise Psychiater suchen.

Wer in der Region Neubrandenburg einen Termin bei einem Neurologen oder Psychiater braucht, wird entweder auf lange Zeit vertröstet oder gleich ganz abgewiesen. „Wir nehmen keine neuen Patienten an“, heißt es in einer von zwei niedergelassenen Praxen in der Viertorestadt. Neue Termine würden erst im März vergeben. Ähnlich sieht’s in der zweiten Praxis aus. Ein Problem, das auch die Kassenärztliche Vereinigung MV (KV) kennt. Vier niedergelassene Neurologen praktizieren in Neubrandenburg. Eine weitere halbe Stelle sei derzeit nicht besetzt. Es gebe allerdings auch keine Interessenten, sagte Oliver Kahl, Hauptabteilungsleiter bei der KV.

Kritisch sei die Situation auch im Bereich Demmin. Hier finde sich seit Längerem kein Neurologe für eine freie Stelle, obwohl die KV sogar einen Investitionszuschuss gewährt. Notfälle würden aber in jeder Praxis kurzfristig behandelt, versicherte Kahl. Indes suchen aber auch Patienten, die nach schweren Operationen eine neurologische Betreuung benötigen, vergeblich einen Termin, wie der Fall des Neubrandenburgers Jens J. zeigt. Nach einer schweren Meningitis und einer Herzklappen-OP klagt er über eine linksseitige Taubheit, die eine neurologische Nachbehandlung erfordert. Vergeblich verlief auch seine Suche nach einer psychiatrischen Betreuung, um die Rückfallängste in den Griff zu bekommen. Die psychiatrische Tagesklinik des Klinikums Neubrandenburg hat eine lange Warteliste. „Ich muss ein halbes Jahr warten. Dann wird erst über die Dringlichkeit meines Falls entschieden“, sagte Jens J.

Auch die Tagesklinik in Neustrelitz ist hoffnungslos überlaufen. „Schon zur Eröffnung 2013 gab’s eine Warteliste“, sagte eine Sprecherin des Klinikums.

Die Bundesärztekammer will jetzt mit der Einführung einer „dringlichen Überweisung“ für schnellere Facharzttermine sorgen. Ob der Vorstoß aber das Nervenarzt-Problem lösen kann, ist fraglich. Zwar verdreifachte sich die Zahl der Neurologen in den vergangenen 15 Jahren in Deutschland. Angesichts der demografischen Entwicklung steige der Bedarf aber weiter, heißt es einhellig von der Vereinigung „Junge Neurologen“ und der KV. So sind die Experten bei Demenz, Schlaganfällen und typischen Alterskrankheiten gefragt. Vor allem Krankenhäuser suchen händeringend Neurologen.

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