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Nicht kaufen! Mitleid ist kein guter Berater

Offiziell ist der Handel mit Hundewelpen auf den sogenannten Polenmärkten verboten. Dafür blühen die Geschäfte im Internet.

Der Impuls, sich bei solchen süßen Welpen zu einem Spontankauf hinreißen zu lassen, ist groß. Aber genau darauf setzen dubiose Händler auf den sogenannten Polenmärkten auch.  
Archiv Der Impuls, sich bei solchen süßen Welpen zu einem Spontankauf hinreißen zu lassen, ist groß. Aber genau darauf setzen dubiose Händler auf den sogenannten Polenmärkten auch.  

Puschel ist eigentlich kein Name für einen deutschen Schäferhund. Aber soll man so ein herzerweichend fiependes Fellknäuel etwa Hasso nennen? Puschel war Liebe auf den ersten Blick. Die angenagten Möbel und das durchweichte Laminat der Anfangszeit immer schnell verziehen.

Allerdings war Puschel auch oft krank. Die Kosten für den Tierarzt: kein Pappenstiel. Aber auch nichts, wofür ein Blick aus diesen treuherzigen Augen nicht hätte entschädigen können. Ein paar Monate später war Puschel nicht mehr am Leben, irgendwas mit dem Herzen. Die Trauer so groß wie das Schuldgefühl. Puschel war ein Schnäppchen, gekauft auf dem Polenmarkt, von irgendwelchen dubiosen Leuten.

Wer gezielt fragt, wird fündig

Offiziell ist der Handel mit Hunden und Katzen auf polnischen Märkten seit dem 1. Januar des vergangenen Jahres verboten. Doch gelegentlich werden in der Nähe von Grenzmärkten oder auf Parkplätzen noch immer junge Hunde aus dem Kofferraum heraus verkauft. Und wer auf Polenmärkten gezielt fragt, wird früher oder später auch fündig.

Insgesamt sei die Situation zwar „viel, viel besser“ geworden, sagt die Kampagnenleiterin Martina Stephany von der Stiftung „Vier Pfoten“, allerdings habe das Verbot auch bewirkt, dass die Welpenhändler ihre Aktivitäten ins Internet verlegt haben. Dort stehen praktisch alle Rassen weit unter dem üblichen Preis zur Verfügung, von „familiären Anschluss“ und „liebevoller Aufzucht“ ist die Rede.

Doch das hat oft gar nichts mit der Realität zu tun. Laut der Stiftung stammen die Welpen aus Polen, Tschechien, Ungarn oder Rumänien. Zumeist wurden sie viel zu früh von der Mutter getrennt, durch halb Europa gekarrt, sind krank, unzureichend geimpft, nicht entwurmt und mit gefälschten Papieren versehen.

Übergabe des Welpen immer beim Verkäufer

Wenn der Verkäufer im Internet anbietet, dass man sich auf einem Parkplatz trifft oder dass er ins Haus kommt, weil er zufällig gerade in der Gegend sei, dann ist Vorsicht geboten, warnt Martina Stephany. Der Anbieter habe dann wahrscheinlich etwas zu verbergen. Die Übergabe eines Welpen sollte immer beim Verkäufer zu Hause stattfinden, rät die Kampagnenleiterin, damit sich der Käufer von der Herkunft des Tieres und vom Zustand der Elterntiere, besonders der Mutter, überzeugen kann. Auf Initiative der Stiftung erscheinen mittlerweile auf dem Internetportal Ebay-Kleinanzeigen entsprechende Warnhinweise, wenn man sich für einen jungen Hund interessiert.

Doch die Gefahr, sich zu einem Spontankauf hinreißen zu lassen, ist außerhalb des Internets ungleich größer. Wenn einem ein niedlicher Welpe für kleines Geld etwa in die Hände gelegt wird und er vielleicht noch beginnt, an den Fingern zu lecken. In solchen Momenten sollte man sich klarmachen, dass der illegale Welpenhändler nicht am Wohl des Hundes interessiert ist, sondern nur daran, „Geld zu verdienen“, mahnt Martina Stephany.

Tatsächlich würden die anschließenden Tierarztrechnungen oft weit über das hinausgehen, was man beim Kauf bei einem seriösen Anbieter eventuell gespart hätte. Und trotzdem würden viele Tiere noch viel zu früh sterben oder müssten eingeschläfert werden.

Muttertiere oft als Gebärmaschinen missbraucht

Auch Mitleid sei fehl am Platz. Selbst wenn es gelingen sollte, diesen einen Hund zu retten, so werde durch den Kauf zugleich die Nachfrage nach anderen erzeugt. Eine Nachfrage, die oft von Muttertieren befriedigt werden müssen, die in den Augen der Verkäufer nichts weiter als „Gebärmaschinen“ sind.

Allerdings bedeutet das nicht, dass nun alle osteuropäischen Hundezüchter so skrupellos sind. Um die guten von den bösen unterscheiden zu können und zum Wohle der Hunde fordert die Stiftung „Vier Pfoten“ eine EU-weite gesetzliche Verpflichtung zur Registrierung, Impfung und Kennzeichnung aller Hunde mit einem Microchip. Außerdem sollte es in allen EU-Ländern rechtsverbindliche Mindeststandards zur Zucht und Haltung von Hunden geben, einschließlich einer Grundausbildung von Hundebesitzern.

Unabhängig davon empfiehlt Martina Stephany denjenigen, die einen Hund haben und zugleich noch etwas Gutes tun möchten, einen Besuch im Tierheim. Auch dort gäbe es manchmal ziemlich niedliche und vor allem gesunde Welpen.