Plattdeutsch in der Schule:

Nicht nur eine richtige Oma „snackt Plattdütsch“

In Groß Nemerow engagiert sich eine Lehrerin dafür, dass die alte Sprache erhalten bleibt und auch jüngere sie sprechen.

Diana Voß (links) und Eva Winter lesen den Kindern regelmäßig auf Plattdeutsch vor.
Susann Moll Diana Voß (links) und Eva Winter lesen den Kindern regelmäßig auf Plattdeutsch vor.

Diana Voß schaut in die Runde: „Holt juch jetzt de Stäuhl un makt n’groten Kreis.“ Emsig ordnen die Mädchen und Jungen die Stühle in einem Kreis an und setzen sich. Gespannt hängen sie an den Lippen ihrer Lehrerin als sie den Verlauf der kommenden Stunde erklärt – auch hier spricht sie die Kinder „op Platt“ an. Die 41-jährige Lehrerin an der „Anderen Grundschule“ in Groß Nemerow verfällt auch außerhalb des Unterrichts immer wieder in die alte Sprache. Schon als Kind habe sie es gern gehört, wenn sich ihre Großeltern auf Plattdeutsch unterhalten haben. Als Jugendliche las sie dann Bücher von Fritz Reuter und beschäftigte sich mit seinem Leben und Wirken – immerhin stammt sie aus Stavenhagen, der Geburtsstadt Reuters. Ihre „geheime“ Leidenschaft mit den Schülern zu teilen, kam ihr allerdings erst vor ein paar Jahren in den Sinn. Auf einer Faschingsfeier in der Schule verkleidete sie sich als Großmutter. „Wenn du wie eine Oma aussiehst, musst du auch wie eine Oma reden“, sagten ihre Schützlinge damals zu ihr. Als sie auf Platt loslegte, leuchteten die Augen der Kinder. Sie waren sich einig: so redet eine richtige Oma.

Von 2007 bis 2009 belegte sie dann eine spezielle Weiterbildung bei der damaligen Landesbeauftragten für Niederdeutsch, Susanne Bliemel. „Die beste Weiterbildung, die ich je hatte“, sagt Diana Voß. Mittlerweile haben mehr als 150 Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern diese Qualifikation erworben. So werden sie einem Erlass des Bildungsministeriums gerecht, der die Pflege des Niederdeutschen vorschreibt.

Eva Winter sitzt ebenfalls in der Runde mit den Schülern. Die 75-jährige Neubrandenburgerin ist ein gern gesehener Gast in der Grundschule. Auch sie „snackt Platt mit de Görn“. Durch die Fritz-Reuter-Gesellschaft, für die Eva Winter sich engagiert, habe sie die Lehrerin kennengelernt. Gemeinsam begeistern sie immer mehr Schüler für die Niederdeutsche Sprache. In der „Anderen Grundschule“ in Groß Nemerow findet sich Plattdeutsch mittlerweile an vielen Stellen des Schulalltags wieder. So heißt es vor dem Mittagessen„Goadn Aftit“ und am Nachmittag „Up Weddersehn“. Die Gruppen, in denen die Kinder unterrichtet werden, haben ebenso Plattdeutsche Namen. Die Mädchen und Jungen beschäftigen sich so spielerisch nebenbei damit, erklärt Diana Voß. Theaterstücke, Sketche und Gedichte tragen die Kinder regelmäßig auf Veranstaltungen vor. Auch ihr eigenes Plattdeutsches Kinderbuch haben die Schüler bereits geschrieben und damit einen Preis gewonnen.

Die Kinder haben gemerkt, dass sie mit dem Plattdeutschen die Herzen vieler Menschen erreichen, sagt Diana Voß. Sie und Eva Winter finden es wichtig, dass die Sprache erhalten bleibt. Die Frauen verbinden Wärme und Geborgenheit mit dem Plattdeutschen. „Es sind unsere Wurzeln“, sind sie sich einig.

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