Täter und Opfer kannten sich aus Facebook:

Niedergestochen nach Mathe-Streit im Netz

Sie haben einander nie gesehen – bis zu dem Tag, an dem einer den anderen niederstach. Sie hatten sich zuvor nur im Internet gezofft. Dann wurde daraus blutiger Ernst.

Der Angeklagte Alexander L. trug auf dem Weg zur Anklagebank eine Fußfessel.
Jens Büttner Der Angeklagte Alexander L. trug auf dem Weg zur Anklagebank eine Fußfessel.

Eigentlich ging es nur um eine Matheaufgabe, doch der Streit im Internet endete blutig: Ein 29-Jähriger hat am Dienstag vor Gericht eine Messerattacke auf einen zehn Jahre Jüngeren gestanden. Der Vorsitzende Richter Otmar Fandel am Landgericht Schwerin steht vor einem Rätsel: Täter und Opfer kannten sich vor der Tat offenbar nicht und wussten nicht, dass sie in derselben Stadt wohnen. Fandel sagt, er erwarte von dem Prozess neben der Klärung dessen, was passiert ist, auch eine nachvollziehbare Erklärung, warum.

Die beiden Männer hatten sich zwei Tage vor der Tat bei Facebook um die Lösung der Aufgabe gezofft. So steht es in einer Erklärung des Angeklagten, die Richter Fandel am ersten Prozesstag vorliest. Demnach wurde es in dem Chat schnell beleidigend, das spätere Opfer sei dabei besonders aufgefallen. "Ich bedauere sehr, dass ich nicht sofort die Facebook-Gruppe verlassen habe", sagt der 29-Jährige rückblickend. Stattdessen pöbelte er zurück, drohte auch. Und dann habe er den Jüngeren im April zufällig in Wismar gesehen und ihn an seinem Facebook-Profilbild erkannt.

Er merkte nicht, dass er sein Opfer schwer verletzte

Mit einem Messer, einer Art Taschenmesser, das er immer bei sich trage, habe er dem jungen Mann eine Lektion erteilen wollen. Er habe einmal zugestochen und nicht bemerkt, dass er sein Opfer dabei schwer verletzte. Die Anklage spricht hingegen von zwei Stichen mit einer fünf bis zehn Zentimeter langen Klinge. Ein Stich sei in den Bauch gegangen und einer in den Rücken, als das Opfer habe fliehen wollen.

Der 19-Jährige ist als Nebenkläger zum Prozessauftakt erschienen, verlässt den Saal aber gleich wieder, denn er soll später als Zeuge aussagen. Die Erklärung des Angeklagten hört er nicht. "Ich kann mir nicht erklären, wie und wann der zweite Messerstich erfolgt sein soll", heißt es dort. Nach der Tat ließ er das blutende Opfer liegen und holte mit einem Freund dessen Kinder vom Kindergarten ab. Ihm sei erst später klar geworden, was da passiert sei.

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