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Niemand wird ausgeschlossen – nur Nazis

In Schwerin haben zwei Männer und eine Frau ein offenes Forum zum Thema MVgida-Bewegung geschaffen – gegen eine Welle der Kritik von demokratischen Parteien und Demokratiebündnissen. Mitte März gibt es das dritte Treffen, dann zum Thema Krieg und Kriegsflüchtlinge. Mit der Mitorganisatorin Hanne Luhdo, Chefin des Vereines „Die Platte lebt“ und Regine-Hildebrandt-Preisträgerin, sprach Marlis Tautz über ihre Motive.

Die Vorsitzende des Vereins „Die Platte lebt“, Hanne Luhdo, am „Plattenstern“ im Plattenbaugebiet Mueßer Holz in Schwerin. Sie engagiert sich für eine Diskussion mit den Anhängern von MVgida und muss dafür Kritik einstecken. Foto: Jens Büttner
Jens Büttner Die Vorsitzende des Vereins „Die Platte lebt“, Hanne Luhdo, am „Plattenstern“ im Plattenbaugebiet Mueßer Holz in Schwerin. Sie engagiert sich für eine Diskussion mit den Anhängern von MVgida und muss dafür Kritik einstecken.

Anders als die Dresdner Pegida wird MVgida von rechtsextremistischen NPD- und Kameradschaftskadern dominiert. Darum lehnen viele Parteien und Demokratiebündnisse einen Dialog ab. Warum haben Sie sich anders entschieden?

Wir sind uns mit allen anderen einig, dass wir Nazis keine Räume bieten. Das ist selbstverständlich. Doch es ist wichtig, immer zu differenzieren. Es gibt einen großen Unterschied zwischen denen, die bei den MVgida-Demonstrationen an der Schweriner Siegessäule stehen, und denen, die zum offenen Forum kommen.

Genau das aber bezweifeln Ihre Kritiker?

Leider haben einige Demokratiebündnisse pauschal und dogmatisch behauptet, beim offenen Forum würden Nazis und Rassisten zu Wort kommen. Niemand hat gefragt oder nachgesehen, was hier passiert und wer etwas sagt. Stattdessen Ablehnung. Mittlerweile bröckelt diese Haltung. Das offene Forum steht für Meinungsfreiheit. Offen sein, schließt aussperren aus. In unserer Geschäftsordnung grenzen wir uns eindeutig von Rassismus und Menschenfeindlichkeit ab.

Dennoch konnte ein Redner bei Ihrem zweiten Forum zum Thema „Islam und Islamismus“ im Nazi-Jargon von „Schutzhaft für Syrien-Rückkehrer“ sprechen.

Wir als Gesprächsleiter haben da sicher versäumt, sofort zu reagieren. Aber mir war ehrlich gesagt nicht klar, dass dieser Begriff nur in Verbindung mit dem Nationalsozialismus verwendet wird. Er stammt ja schon aus der Zeit von Friedrich Wilhelm IV.. Und heute gibt es den Polizeigewahrsam. Inhaltlich ging es im Gespräch um ein konsequentes Vorgehen gegen Terroristen. Es kann natürlich immer passieren, dass man etwas übersieht, überhört oder unsicher ist. Umso besser wäre es, wenn wir mehr kompetente Unterstützer hätten.

An wen denken Sie dabei?

Zum Beispiel an die Schweriner Stadtvertreter, die ja erst im Januar beschlossen haben, Initiativen zu unterstützen, die Ängste und gegenseitige Vorbehalte abbauen helfen. Aber auch an Vertreter von Landes- und Bundespolitik. Sollen sie doch die Möglichkeit nutzen, außerhalb von netten Scheckübergabe- und Bändchen-Durchschneide-Terminen zu erfahren, was die Menschen bewegt. Die Politik kann sich nicht einfach darauf verlassen, dass sich der Wähler ja holen kann, was er braucht. Bürgersprechstunden oder Politikforum schön und gut. Doch hat nicht die Politik auch eine Bringe-Pflicht?

Wozu soll das offene Forum im besten Fall führen?

Zunächst wollen wir den Menschen Gelegenheit geben, ihre Fragen, Probleme und Ängste zu benennen. Es geht jeweils um einen Themenkomplex, zu dem sich jeder auf dem Podium äußern oder Fragen stellen kann. Wir sammeln diese Anregungen und Thesen und reichen sie an die Politik weiter. In der Hoffnung, Antworten zu bekommen oder Entscheidungen beeinflussen zu können, zum Beispiel auf kommunaler Ebene, wo es schon bald um die Unterbringung von Kriegsflüchtlingen in einem Schweriner Wohngebiet geht.