Asylbewerber in MV:

Noch hapert es an vielen Ecken

MV hat im vergangenen Jahr 4400 Asylbewerber aufgenommen – doch dabei wird es nicht bleiben. Wie können sie menschlich integriert, wie die vielen Probleme gelöst werden?

Fast 1000 neue Asylbewerber sind im Februar in Mecklenburg-Vorpommern angekommen.
Jens Büttner Fast 1000 neue Asylbewerber sind im Februar in Mecklenburg-Vorpommern angekommen.

Kaum Englischkenntnisse bei Mitarbeitern der Ausländerbehörden. Monatelange Wartezeiten für Sprachkurse. Mangelnde Kommunikation zwischen Kommunen und Land, zu wenig Information der Bürger: Die Landes-SPD hat bei einer Fachtagung zur Integration von Flüchtlingen am Montag in viele Wunden den Finger gelegt.

„Integration steht und fällt mit Sprache. Wie kann es dann sein, dass in den Ausländerbehörden die wenigsten Englisch sprechen?“, fragte Sozialministerin Birgit Hesse. „Das muss sich ändern. Und ich setze mich dafür ein, dass Sprachkurse für Asylbewerber schon von Anfang an angeboten werden – und nicht erst nach der Anerkennung, wie einige meiner Kollegen meinen“, sagte Hesse weiter.

Zugleich kündigte die Ministerin an, dass demnächst in den Kreisen und kreisfreien Städten Integrationslotsen etabliert werden sollen, die unter anderem bei der Jobsuche helfen. „Auch die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen muss bundesweit präziser geregelt werden, denn viele, die auch nach MV kommen, sind echte Fachkräfte“, so Hesse. Die aber würden verloren gehen – bei gleichzeitigem Fachkräftemangel im Land.

Ehrenamtliche Paten könnten helfen

Wismars Bürgermeister Thomas Beyer hatte zuvor kritisiert, dass es an Kommunikation zwischen Land und Kommunen mangele: „Wir müssen wissen, wer wann kommt.“ Auch die Bürokratie mache zu schaffen: „Wenn eine Kita voll ist, in die ein Flüchtlingskind gehen soll, dann muss es unkompliziert möglich sein, eine Überbelegung zu genehmigen.“

Auf ein ähnliches Problem machte Friedlands Bürgermeister Wilfried Block aufmerksam. Die Kitas im dortigen Stadtzentrum seien voll belegt: „Aber in den Ortsteilen gibt es freie Plätze. Doch es ist nicht geklärt, ob der Kreis die Transportkosten für die Kinder übernimmt.“ Dabei hätten die Mädchen und Jungen innerhalb weniger Monate Deutsch gelernt – und können nun nicht integriert werden. Zweites Problem in Friedland: „Die 120 Asylbewerber kommen aus elf Nationen.  Und wir kriegen es mit den Sprachen mit den Ärzten nicht hin.“

Im Februar kamen fast 1000 neue Flüchtlinge

Insgesamt herrsche in der Stadt Offenheit gegenüber Asylbewerber, schätzte Block ein. Ausnahme sei natürlich die rechtsextreme NPD, die aus dem ganzen Land Leute herankarre, um Stimmung zu machen. Im Moment schaue man, welche Flüchtlinge auch dezentral untergebracht
werden könnten – bei einem Wohnungsleerstand von 18 Prozent sei das kein Problem.

Die migrationspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Dagmar Kaselitz, schlug einen Pool von Sprachmittlern vor. In dieser Datei könnten beispielsweise aktive und frühere Lehrer oder auch Studenten aufgenommen werden. Mit ehrenamtlichen Patenschaften könnte zudem die Willkommenskultur verbessert werden. Dabei könnten Freiwillige Kontakt mit einem einzelnen Asylbewerber oder einer Familie aufnehmen, so Kaselitz. Allerdings sollten die Paten nicht unvorbereitet den Kontakt herstellen. Es zeige sich immer wieder, dass es große Wissenslücken beispielsweise über die Rechte von Asylbewerbern gibt.

Laut Innenministerium in Schwerin geht der Bund von 5100 Flüchtlingen aus, die MV in diesem Jahr aufnehmen müsste. „Bleibt es bei den monatlichen Zugängen der letzten Monate, rechnen wir aber mit 6000“, sagte ein Sprecher. So wurden im Januar 478 Asylbewerber registriert, im Februar waren es schon 986. 

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