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Nordosten hat größten Zuwachs an jungen Komasäufern bundesweit

In Mecklenburg-Vorpommern haben sich im vorigen Jahr 25 Prozent mehr Kinder und Jugendliche besinnungslos betrunken als 2011. Mehr als 350 zehn- bis 20-jährige Komasäufer kamen in eine Klinik.

Erschreckendes Bild: Ein Jugendlicher sitzt hinter Flaschen mit Schnaps und anderen alkoholischen Getränken in Schwerin.
Jens Büttner Erschreckendes Bild: Ein Jugendlicher sitzt hinter Flaschen mit Schnaps und anderen alkoholischen Getränken in Schwerin.

Die Zahl der jugendlichen Komasäufer ist in Mecklenburg-Vorpommern bundesweit am stärksten gestiegen. 2012 haben sich nach Angaben der Krankenkasse DAK-Gesundheit 25 Prozent mehr Kinder und Jugendliche als im Jahr zuvor bis zum Umfallen betrunken. Wie ein DAK-Sprecher am Freitag mitteilte, kamen 358 Trinker zwischen 10 und 20 Jahren mit einer Alkoholvergiftung in die Klinik. Die Zahl der unter 15-Jährigen nahm besonders stark zu.

Die DAK bezieht sich auf Daten des Statistischen Amtes Mecklenburg- Vorpommern. Am vorigen Mittwoch waren bereits die Zahlen für 14 Bundesländer - außer Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland - veröffentlicht worden.

Früheren Angaben zufolge gab es jedoch 2010 im Land noch mehr Klinikeinweisungen von Kindern und Jugendlichen im Vollrausch als 2012, nämlich 394. 2011 sank die Zahl um 27 Prozent auf 286.

Mehr Vorbeugung bei der Mediensucht

Nach Ansicht der Suchtberaterin Birgit Grämke in Schwerin ist das Thema Alkohol in der Prävention zugunsten der Mediensucht etwas in den Hintergrund geraten. „Die Nachfrage nach Fortbildungen sinkt“, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin der Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung (Lakost). Bei Jugendlichen in der Pubertät sei das Unwissen über Alkohol groß, bei Erwachsenen sei das Trinken gesellschaftlich anerkannt. „Die Diskotheken locken wieder mit Angeboten wie fünf Freigetränke für fünf Euro“, sagte Grämke.

Eine große Rolle spielten auch fehlende preisgünstige Freizeitangebote. „Solange eine Flasche Wodka billiger ist als Kino, ist der Wodka eine Alternative“, meinte sie. Langeweile sei einer der Hauptgründe für das Trinken bei Jugendlichen. Umfragen zufolge lassen auch der Leistungsdruck in der Schule, Liebeskummer oder andere private Probleme Jugendliche zur Flasche greifen. Im vergangenen Jahr kamen im Nordosten 82 Rauschtrinker im Alter zwischen 10 und 15 Jahren in die Klinik - im Vergleich zu 2011 war das fast ein Drittel mehr. In der Altersgruppe der 15- bis unter 20-Jährigen gab es ebenfalls einen deutlichen Anstieg beim Alkoholmissbrauch. Hier kletterte die Zahl um mehr als 23 Prozent von 224 auf 276. Von den Betroffenen in dieser Altersgruppe waren 101 Rauschtrinker weiblich, 175 männlich.

Bundesweit nahm die Zahl der Komasäufer von 2011 zu 2012 nur um 0,4 Prozent zu, in den vergangenen zehn Jahren allerdings um fast 90 Prozent. Vor allem im Osten tranken 2012 im Vergleich zum Vorjahr mehr junge Leute bis zum Umfallen. Nach Mecklenburg-Vorpommern wurde der deutlichste Anstieg in Sachsen-Anhalt (plus 12,5 Prozent), Thüringen (+11,2), Sachsen (+9,5) und Berlin (+9,1) verzeichnet.