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Nur jeder dritte Einbruch im Land wird aufgeklärt

Innenminister Lorenz Caffier fordert härtere Strafen für Einbrecher und erntet dafür Kritik. Die Sache hat nämlich einen Haken: Viele Täter werden gar nicht erst ermittelt.

Kritiker sind sich einig: Höhere Strafen reichen nicht, es braucht mehr Beamte für Ermittlungsarbeit.
Julian Stratenschulte Kritiker sind sich einig: Höhere Strafen reichen nicht, es braucht mehr Beamte für Ermittlungsarbeit.

Wie Einbrecher härter bestrafen, wenn die Polizei ihrer gar nicht erst habhaft wird? Diese Frage muss sich aktuell Innenminister Lorenz Caffier (CDU) gefallen lassen. Er hatte zuletzt „härtere Strafen für Einbrüche“ gefordert und dazu eine Ausweitung der Ermittlungsbefugnisse ins Gespräch gebracht. „Einbrüche sind weiterhin an der Tagesordnung. Neben den materiellen Schäden leiden die Betroffenen oft psychisch, weil sie in ihrer Privatsphäre verletzt sind. Das muss endlich ein Ende haben. Wer nicht hören will, muss fühlen“, so Caffiers markige Forderung.

Zu Ermittlungserfolgen gehört ausreichend Personal

Ausgerechnet in einer von Einbrechern besonders häufig heimgesuchten Region trifft diese jedoch auf Unverständnis. Statt härterer Strafen wären dort mehr Polizisten gerne gesehen, ihre Zahl wiederum sinkt seit Jahren. „Eigentumsdelikte lassen sich nur durch höheren Verfolgungsdruck verhindern, alles andere ist dummes Zeug“, erklärte Reinhard von Hirschheydt, stellvertretender Vorsitzender des Präventionsrats im Amt Löcknitz-Penkun. „Die Forderung nach höheren Strafen kommt bei den Bürgern zwar immer gut an“, so von Hirschheydt weiter, „sie verhindert in Wahrheit aber nicht einen Einbruch.“ „Bessere Ermittlungsarbeit“ gepaart mit einer „höheren Aufklärungsquote“ sei der Schlüssel zum Erfolg.

Von Hirschheydt muss es wissen. Schließlich leidet die Gegend rund um Löcknitz und Penkun nicht nur unter der Zunahme von Einbruchsfällen – zwischen 2012 und 2013 stiegt die Zahl der Einbrüche im Landkreis Vorpommern-Greifswald um 63 Prozent – von Hirschheydt ist dazu noch ehemaliger Direktor des Pasewalker Amtsgerichts. „Es muss mehr Polizei her, die Polizeidichte muss erhöht werden“, so der selbst ernannte „Richter in Ruhe“. „Allein höhere Strafen zu fordern, ist lächerlich.“

Aufklärungsquote ist zu gering

Gegen Caffiers Forderung sprechen nicht nur die Erfahrungen des pensionierten Richters, es sind auch die blanken Zahlen, die Zweifel aufkommen lassen: So lag die Aufklärungsquote bei Einbrüchen im Jahr 2013 bei 30 Prozent, einer von drei Einbrechern landete demnach vor Gericht. Die Gesamtaufklärungsquote aller im Land verübten Straftaten lag dagegen bei rund 60 Prozent. Härtere Strafen müsste demzufolge nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Täter fürchten, die Mehrheit der Einbrecher wird gar nicht erst ermittelt.

Gleichzeitig wuchs das Kriminalitätsfeld „Wohnungseinbruchsdiebstahl“ zuletzt stark an. Von 2012 auf  2013 stieg die Zahl der Einbrüche um knapp acht Prozent auf landesweit 1521 Fälle. Der dadurch entstandene Sachschaden stieg von 2,9 auf 4,7 Millionen Euro. Die Werte entstammen der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2013. Die Zahlen für 2014 werden im März veröffentlicht.

Caffiers Vorschlag erntet nicht nur Kritik

Bei aller Kritik, das Problem scheint erkannt. „Es sind zusätzliche Bereitschaftspolizisten unterwegs, sie fahren nachts Streife und auch die deutsch-polnische Zusammenarbeit funktioniert gut“, so Reinhard von Hirschheydt. Zusätzlich gebe es Informationsveranstaltungen für die Bürger, auch dank einer neuen Schwerpunktsetzung durch die Polizei.

Indes lehnt Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) die Forderung Caffiers zumindest nicht pauschal ab: „Generell bin ich nicht abgeneigt, härtere Strafen zu befürworten, wenn sie begründet und sinnvoll sind“, so Kuder. Sie schränkt aber ein: „Letztlich liegt es jedoch am unabhängigen Richter, ob er den gegebenen Strafrahmen ausschöpft.“