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Nur wenige Schritte zum Abstieg

Jobverlust, kleine Renten, Krankheit – Armut kann viele Ursachen haben. Millionen Deutsche sind betroffen, wie der Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zeigt. Im Nordosten ist jedoch ein positiver Trend zu erkennen.

Ohne das kostenlose Essen von Tafeln würden einige Bürger finanziell nicht über die Runden kommen.
Maurizio Gambarini Ohne das kostenlose Essen von Tafeln würden einige Bürger finanziell nicht über die Runden kommen.

Ein Fliesenleger im Ruhestand, der ohne Lebensmittel von ehrenamtlichen Tafeln nicht auskommt. Ein Rechtsanwalt, dessen Leben wegen Krankheit aus dem Tritt gerät und der nur mit Hilfe eines Sozialdienstes seine Wohnung halten kann. Jugendliche, deren berufliche Chancen allein durch ihr von Armut geprägtes Wohnviertel gering sind. Das sind Schicksale, die der Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes nennt. Insgesamt sieht der Verband Deutschland trotz brummender Wirtschaft massiv von Armut betroffen.

„Man ist in diesem reichen Deutschland nicht erst arm, wenn man unter Brücken schlafen oder Pfandflaschen sammeln muss“, sagt Geschäftsführer Ulrich Schneider. Kritiker hatten ihm Alarmismus vorgeworfen. Die Armutsschwelle liegt für ihn bei 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommen – bei einem Paar mit einem Kind unter sechs Jahren zum Beispiel bei 1651 Euro, bei einer Alleinerziehenden mit Kind bei 1192 Euro.

Unbestritten ist aber, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen mit solch niedrigen Einkommen auskommen mussten. Vor zehn Jahren lag der Anteil der Menschen in betroffenen Haushalten noch bei 14 Prozent. Bis 2013 stieg er bis auf 15,5 Prozent. Jetzt sank die Quote erstmals wieder, wenn auch nur auf 15,4 Prozent. Rechnerisch sind dies 12,5 Millionen Menschen, davon 3,4 Millionen Rentner, wie Schneider sagte.

Rückläufige Zahlen sind auch im Nordosten zu verzeichnen. In Mecklenburg-Vorpommern sank der Wert zwar auf 21,3 Prozent, liegt aber weiterhin deutlich über dem Bundesdurchschnitt. An der Mecklenburgischen Seenplatte ging er um 1,2 Prozent auf 23,6 Prozent zurück, im Landkreis Vorpommern um 3,2 Prozent auf 24,6 Prozent.

In Brandenburg liegt der Wert bei 16,6 Prozent. Die Uckermark verzeichnete die niedrigste Quote seit mehr als fünf Jahren. Hier sank der Wert um 3,5 Prozent auf 16,6 Prozent.