Neuer Bundesbank-Filialleiter:

Oberfranke ist der neue Herr des Geldes

Josef Hellmuth leitet ab sofort die Bundesbankfiliale in Neubrandenburg. Sie erfüllt im gesamten Nordosten für Verbraucher und Firmen einen wichtigen Auftrag.

Josef Hellmuth ist der neue Chef der Bundesbankfiliale in Neubrandenburg
Jörg Spreemann Josef Hellmuth ist der neue Chef der Bundesbankfiliale in Neubrandenburg

In Neubrandenburgs Unterwelt lagert ein Schatz – gut bewacht und verschlossen. Josef Hellmuth weiß, wie hoch die Summe der Geldscheine und -stücke im Tresor ist, die in den „Katakomben“ der Neubrandenburger Ziegelbergstraße verwahrt wird. Doch aus Sicherheitsgründen verrät der neue Filialleiter der Neubrandenburger Bundesbankfiliale natürlich nicht, wie reich er von Amts wegen ist. Nur eine Zahl darf er nennen: Durch die fünf Bundesbank-Filialen in MV, Hamburg und Schleswig-Holstein fließen pro Jahr Banknoten im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro.

Hellmuth ist künftig als Filialleiter in Neubrandenburg dafür zuständig, dass in der Seenplatte, in Vorpommern und in der Uckermark jederzeit genug Bargeld in Automaten, Geschäften und Banken vorhanden ist. In der Bundesbank schlägt jedem Schein die Stunde der Wahrheit. „Wir ersetzten die beschädigten Scheine“, erklärt er. Von 100 Scheinen bestehen fünf die Prüfung nicht.

450 000 Scheine werden am Tag kontrolliert

Verschmutzungen, Risse oder auch mal ein Schein, auf dem ein Liebesbrief geschrieben wurde, fliegen aus dem Rennen. Oder Banknoten mit Brandstellen: „Das passiert jedes Jahr mit Beginn der Heizsaison, wenn Leute vergessen, dass sie Geld im Ofen versteckt haben“, erzählt er. Jede der beiden Maschinen in der Filiale kontrolliere 450  000 Scheine am Tag, früher habe ein Mitarbeiter maximal 14  000 begutachtet. Natürlich würden auch Fälschungen aus dem Verkehr gezogen, die im Handel oder bei privaten Dienstleistern nicht entdeckt worden seien. „Unsere Maschinen arbeiten so genau, dass nichts durchrutscht“, versichert er.

Josef Hellmuth hat seinen Job von der Pike auf gelernt. „Das Sparen war mir in die Wiege gelegt“, sagt der 61-Jährige, der auf einem Bauernhof in Bayern groß geworden ist. Nach dem Schulabschluss folgt er dem Tipp einer Tante und beginnt eine Lehre als Bankkaufmann. Über die Stationen Bamberg, München, Chemnitz, Erfurt verschlägt es ihn jetzt nach Neubrandenburg. „Nach fünf Jahren suche ich gern eine neue Herausforderung.“

Noch immer wird D-Mark in Euro gewechselt

Wohnmobil-Urlauber Hellmuth kennt die Region und ist begeistert über die Landschaft zwischen Seenplatte und Ostsee. „Mit dem Camper haben wir schon am Tollensesee Station gemacht. Es hat uns sehr gut gefallen“, erzählt er. Durch einen Zufall habe er erfahren, dass sein Vorgänger in Neubrandenburg in den Ruhestand geht. „Da habe ich mich beworben“, sagt Hellmuth, der bisher die Bundesbank-Filiale in Erfurt geleitet hat.

Dass die Neubrandenburger Bundesbank-Niederlassung mit ihren 42 Mitarbeitern alle Filialschließungen der vergangenen Jahre überstanden hat, liegt laut Peter Griep, Präsident der Hauptverwaltung für die drei Nordländer, letztlich an zwei Gründen. Zum einen sorgt die Liebe der Deutschen zum Bargeld dafür, dass immer mehr Scheine und Münzen im Umlauf sind. „Außerdem fällt im großflächigen Nordosten genügend Bargeld an, das auf absehbare Zeit die Existenz der Filiale in Neubrandenburg rechtfertigt“, begründet er.

Der neue Filialchef Hellmuth übernimmt ein Haus, das täglich von 8 bis 12 Uhr für den Publikumsverkehr öffnet. Zu den beliebtesten Dienstleistungen zähle nach wie vor der Umtausch von
D-Mark in Euro. Von knapp 900 Kunden wurden im vergangenen Jahr in Neubrandenburg fast
200  000 D-Mark in Euro gewechselt. „Diesen Service bieten wir auch künftig uneingeschränkt an“, stellt Hellmuth klar.

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