Personalmangel in Gefängnissen beklagt:

Ohne Resozialisierung aus dem Knast

Obwohl die Justizvollzugsbeamten schon unter einem enorm hohen Krankenstand und Leistungsdruck zu leiden haben, will die Landesregierung jetzt noch einmal Stellen abbauen.

Strafe abgesessen, doch was nun? Nicht immer werden Gefangene gut genug auf die Freiheit vorbereitet. Es fehlt qualifiziertes Personal in den Gefängnissen.
Robert Schlesinger Strafe abgesessen, doch was nun? Nicht immer werden Gefangene gut genug auf die Freiheit vorbereitet. Es fehlt qualifiziertes Personal in den Gefängnissen.

Aus der Justizvollzugsanstalt Bützow soll in zwei Wochen ein Gefangener mit einer achtjährigen Haftstrafe entlassen werden, der bislang so gut wie keine Resozialisierungsmaßnahme durchlaufen hat. Das sei auch kein Einzelfall, sagte am Mittwoch während einer Konferenz zur inneren Sicherheit in MV der Landesvorsitzenden des Bundes der Strafvollzugsbediensteten, Hans-Jürgen Papenfuß. Grund sei Personalmangel in den Justizvollzugsanstalten.

„Wenn so ein Gefangener dann auch noch ohne Wohnung, ohne Auto ist, keiner ihn abholt und begleitet, landet er schnell zwei Straßen weiter beim Discounter, holt sich eine Flasche Schnaps, stellt wieder was an und ist am Abend wieder in Bützow“, so Papenfuß. Wenn er nicht selber als Psychologe in Bützow den Gefangenen betreut hätte, wäre gar nichts passiert. Dabei sei er eigentlich für seine Personalvertretungsarbeit freigestellt.

Das Justizministerium in Schwerin dementierte den Vorwurf. Papenfuß sei eben nicht komplett freigestellt, sagte ein Sprecher. Vielmehr sei es von Anfang an, seine Aufgabe gewesen, den schwer depressiven und suizid-gefährdeten Gefangenen zu betreuen.

Laut dem Gewerkschaftsvorsitzenden würden allein im Gefängnis Bützow zwei oder drei zusätzliche Stellen für Fachkräfte den Mangel beheben können. Für ganz MV schätzte der Gewerkschaftschef den Bedarf auf 40 bis 50 Beamte. Doch laut der rechtspolitischen Sprecherin der oppositionellen Linksfraktion im Landtag, Barbara Borchardt, will die rot-schwarze Landesregierung laut dem Entwurf für den neuen Landeshaushalt 2016/17 sogar weiter Personal reduzieren. Die Zahl der Stellen soll demnach von derzeit 788 auf 774 sinken. Wie berichtet, leiden die Justizvollzugsbeamten zudem unter einem enorm hohen Krankenstand. Durchschnittlich sind sie im Jahr 37 Tage lang krankgeschrieben. Zum Vergleich: Deutschlandweit war jeder Arbeitnehmer im vergangenen Jahr 14,8 Tage lang krank, so Angaben der Techniker Krankenkasse.

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