Armutsgefälle:

Osten von MV am stärksten von Armut bedroht

Von Beschäftigungszuwachs und Einkommenssteigerungen profitieren die Regionen in Mecklenburg-Vorpommern offenbar sehr unterschiedlich: Der Westen prosperiert, der Osten fällt weiter zurück.

Jeder vierte Einwohner im Land gilt als arm.
Jens Kalaene Jeder vierte Einwohner im Land gilt als arm.

In Mecklenburg-Vorpommern gilt jeder vierte Einwohner - gemessen am bundesdeutschen Durchschnittseinkommen - als arm. Doch entwickeln sich die Landesteile nach im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt (AWO) erarbeiteten Studie in entgegengesetzte Richtungen: "Während die Armutsgefährdungsquote im Westen Mecklenburgs rückläufig ist, steigt sie im Osten und in Vorpommern an. Wir haben ein Ost-West-Leck im Land", sagte Ulf Groth von der Hochschule Neubrandenburg am Donnerstag bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Die Studie bestätige erneut, dass vor allem gering qualifizierte Menschen und Alleinerziehende das größte Armutsrisiko tragen, weil sie nur schwer Arbeit finden. Insbesondere in strukturschwachen ländlichen Regionen müssten Alternativen geschaffen werden. Die an der Studie beteiligten Forscher erhoben deshalb die Forderung nach staatlich finanzierter sozialer Arbeit.

Dem schloss sich der AWO-Landesvorsitzende Rudolf Borchert an und richtete dabei auch Kritik an die rot-schwarze Landesregierung. "Ein solcher sozialer Arbeitsmarkt ist wichtig. Das Land aber hält sich dabei dezent zurück und verweist lediglich auf den Bund und die Arbeitsagenturen. Aber auch das Land ist gefordert, Angebote zu machen", erklärte Borchert, der selbst SPD-Landtagsabgeordneter ist. Ansonsten drohe immer mehr Menschen Ausgrenzung.

In ihrem Bericht verwiesen die Wissenschaftler auf Folgeerscheinungen der Einkommensarmut, die dann gegeben ist, wenn das verfügbare Geld weniger als 60 Prozent des Durchschnitts beträgt. Zuerst werde an gesundem Essen gespart. "Es ist kein Zufall, dass wir in Mecklenburg- Vorpommern einen so hohen Anteil von Diabetikern haben", sagte der Sozialwissenschaftler Groth. Er sieht zudem "eine Welle von Altersarmut" auf das Land zurollen. Nach jahrelanger Arbeitslosigkeit würden die Menschen nur geringe Renten bekommen. Betroffen seien zunehmend Frauen.

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