"So geeignet wie Brettspiele oder Fußball":

Pädagoge wirbt für Toleranz bei Computerspielen

Kinderbücher, Radio und Fernsehen – die Skepsis gegenüber neuen Medien war schon früher groß. Medienpädagoge Roland Rosenstock ist überzeugt, dass auch Vorbehalte gegen Computerspiele abnehmen.

Der Theologe und Medienpädagoge Roland Rosenstock hat die „Computer SpielSchule Greifswald“ initiiert.
Stefan Sauer Der Theologe und Medienpädagoge Roland Rosenstock hat die „Computer SpielSchule Greifswald“ initiiert.

Beim Computerspielen können Kinder Sozialkompetenzen und Regeln nach Ansicht des Medienpädagogen Roland Rosenstock ebenso gut erlernen wie beim Fußball oder Handball. „Regeln für eine Kultur sind Kindern immer über Spiele vermittelt worden“, findet der Professor aus Greifswald. Computerspiele seien dabei so geeignet wie Brettspiele oder Fußball. Die Sprachkontrolle in den Spielen sei hoch, es gebe einen Verhaltenskodex.

Die Skepsis der älteren Generation gegenüber Computerspielen – wie es sie in früheren Zeiten gegenüber Kinderbüchern, Radio und Fernsehen gegeben hat – nehme ab. Auch ältere Menschen begriffen zunehmend, dass Computerspiele für ihre Generation wichtig werden und Vorteile bringen. „Computerspiele können Handicaps ausgleichen, sie können Bewegung zurückbringen und sie können kulturelle Räume eröffnen, die der Nutzer sonst nie betreten würde.“ Erste Untersuchungen belegten positive Effekte des Computerspiels bei älteren Demenzkranken.

Dazusetzen, mitspielen und die Bedeutung erkennen

Der Professor an der Universität Greifswald leitet das medienpädagogische Pilotprojekt „ComputerSpielSchule“. Seit zwei Jahren wird dabei generationenübergreifend beim gemeinsamen Computerspiel die Medienkompetenz von Kindern und Eltern gefördert. Ziel sei es, die Barrieren, die durch unterschiedliches Medienverständnis der Generationen entstanden sind, zu überwinden.

Der Medienexperte war jetzt als Redner der Fachtagung „Das Leben ist (k)ein Spiel!“ der Evangelischen Akademie der Nordkirche geladen. Er warnt davor, Kindern das Computerspielen zu verbieten. „Toleranz heißt, etwas zu verstehen, was ich selber nicht praktiziere“, sagte Rosenstock.

Am besten sei es deshalb, sich dazuzusetzen, mitzuspielen und zu sehen, warum das Spielen am Computer den Kindern wichtig sei. „Wir machen die Beobachtung, dass die Eltern dann auch Vorurteile abbauen.“ Jede Familie habe eine Spielkultur. Heute gehöre eben der Computer oder die Spielkonsole dazu.

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