Unvollständiges Polizeivideo:

Panne im Prozess um Sandsturm-Unfall

Im Amtsgericht Rostock läuft seit Mitte Januar der Prozess um die Massenkarambolage im Sandsturm auf der A 19 im April 2011. Jetzt wollen Gutachter berichten, wie der Unfall ihren Erkenntnissen zufolge abgelaufen ist.

Ein Feuerwehrauto fährt am 08.04.2011 auf der Autobahn A19 bei Kavelstorf in der Nähe von Rostock unmittelbar hinter der Unfallstelle in eine weiße Wand aus Sand, wo bei einer Massenkarambolage zahlreiche Autos verunglückten.
Bernd Wüstneck Ein Feuerwehrauto fährt am 08.04.2011 auf der Autobahn A19 bei Kavelstorf in der Nähe von Rostock unmittelbar hinter der Unfallstelle in eine weiße Wand aus Sand, wo bei einer Massenkarambolage zahlreiche Autos verunglückten.

Die im Amtsgericht Rostock mit Spannung erwartete Vorführung eines Polizeivideos der Massenkarambolage im Sandsturm auf der Autobahn 19 ist am Mittwoch abgebrochen worden. Den Gutachtern war von der Staatsanwaltschaft nur ein unvollständiges Video zur Verfügung gestellt worden. Die Staatsanwältin begründete die Panne mit einem fehlerhaften USB-Stick. Insgesamt seien bis zu 50 Sticks mit dem Unfallmaterial angefertigt worden. Sie versicherte, dass es keine zwei Versionen des Videos gebe. Die Dekra-Gutachter werden nun bis kommende Woche das ganze Video sichten, das Polizisten aus einem Hubschrauber heraus gedreht haben.

An dem Unfall waren auf beiden Fahrspuren in Richtung Berlin und Rostock mehr als 80 Fahrzeuge beteiligt. Acht Menschen starben, rund 130 wurden verletzt. Angeklagt ist eine 54-jährige Brandenburgerin, ihr wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Sie ist laut Anklage in die Wolke hineingefahren, ohne das Tempo zu reduzieren. Dort sei sie auf ein Auto aufgefahren, in dem ein Ehepaar starb.

Tödliche Wolke muss schon von Weitem sichtbar gewesen sein

Am letzten Prozesstag hatten Gutachter berichtet, dass die tödliche Wolke in Richtung Rostock bereits aus mehr als 500 Metern vor der Unfallstelle sichtbar gewesen sein muss. Demnach hat eine Senke im Feld vor der Unfallstelle wie ein Kanal gewirkt, durch den bereits eine dichtere Sandfahne entstanden und dann quer über die Autobahn gezogen sei.

Die angeklagte Frau hatte am ersten Prozesstag dagegen angegeben, dass sie sich urplötzlich der riesigen Sandwolke gegenüber gesehen habe. Sie war mit fünf Freundinnen in dem Kleinbus unterwegs zu einem Wochenendausflug nach Warnemünde. Sie erlitt bei dem Unfall selbst schwerste Verletzungen.

Zum Auftauchen der Wolke gab es bei den bisherigen Zeugenvernehmungen unterschiedliche Aussagen. Demnach gaben elf Zeugen an, die Sandwolke teils mehrere hundert Meter vorher gesehen zu haben – darunter alle Zeugen, die nicht auf ein anderes Auto aufgefahren waren. Hingegen hatten vier Zeugen angegeben, dass die Wolke plötzlich aufgetreten sei, alle saßen laut Dekra-Gutachter in Fahrzeugen, die auf andere Autos aufgefahren seien.

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