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Pegel von Flüssen und Seen steigen

Es stürmt und regnet: Das Wetter im Januar gleicht eher dem Herbst. Auch der Dezember war bereits extrem nass. Drohen jetzt überall im Land Überschwemmungen?

Weil die vergangenen Wochen verregnet waren, stehen viele Felder unter Wasser. Doch das sei gar nicht so ungewöhnlich für die Jahreszeit, sagen Experten.
Bernd Wüstneck Weil die vergangenen Wochen verregnet waren, stehen viele Felder unter Wasser. Doch das sei gar nicht so ungewöhnlich für die Jahreszeit, sagen Experten.

Wer sich einen weißen Winter gewünscht hat, der wurde bisher enttäuscht. Stattdessen regnete es, und zwar ungewöhnlich viel: In Mecklenburg-Vorpommern prasselten 105 Liter pro Quadratmeter auf den Boden, normal wären 52 Liter pro Quadratmeter gewesen.

Und obwohl das neue Jahr noch in den Kinderschuhen steckt, arbeitet auch
der Januar daran, einen Spitzenwert in Sachen Niederschlagsmenge aufzustellen. „Es ist wahrscheinlich, dass wir bereits in der Monatsmitte die Niederschlagsmenge erreicht haben, die normal für den ganzen Januar wäre“, sagt Meteorologe Michael Leistert vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Für die Landwirte kein schöner Anblick

So fielen in Waren bisher bereits 22,6 Liter pro Quadratmeter, normal wären 44,3 Liter im gesamten Januar. Auch in Teterow sind schon 22 Liter auf den Quadratmeter gefallen. Hier wären insgesamt 39,5 Liter im ersten Monat des Jahres üblich.

Durch den nassen Winter stehen Wiesen und Felder unter Wasser. Das ist vor allem für die Landwirte kein schöner Anblick. „Momentan ist es einfach zu nass“, sagt Marco Gemballa, Vizepräsident des Landesbauernverbands Mecklenburg-Vorpommern. Seit 1990 fertigt Gemballa Wetteraufzeichnungen an. So einen nassen Dezember wie im vergangenen Jahr hat er noch nie beobachtet. Zwar stellen sich die Landwirte auf das Wetter ein, aber Extreme seien
immer schlecht.

Neue Tiefausläufer bringen noch mehr Regen

Momentan sei besonders das Grünland gefährdet. Denn das Gras stirbt ab, da es fault. Im schlimmsten Fall können die Bauern die erste Heuernte im Mai vergessen und müssen auf Alternativfuttermittel zurückgreifen. Doch noch sei nichts verloren: „Wir müssen abwarten. Noch ist es möglich einen durchschnittlichen Ertrag zu erzielen“, sagt Gemballa.

Auch die Pegel von vielen Flüssen und Seen im Land seien höher als es um diese Jahreszeit normal wäre. Und vermutlich steigen sie weiter an, denn die Tiefausläufer der kommenden Tage bringen nicht nur heftige Stürme mit sich, sondern auch jede Menge Regen. „Bis zu 20 Liter pro Quadratmeter können es durchaus werden“, sagt Meteorologe Michael Leistert vom DWD voraus.

Starker Regen überfordert die Kanalisation

Dennoch treibt die Lage den Experten keine Sorgenfalten auf die Stirn. „Dass einige Wiesen und Felder unter Wasser stehen, ist für diese Jahreszeit nicht außergewöhnlich“, sagt Bodo Heise, Abteilungsleiter Wasser und Boden des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) in Neubrandenburg.

Denn die Böden seien aufgrund der vielen Niederschläge vom Wasser gesättigt und die Verdunstung entsprechend der Jahreszeit eher gering. Dennoch müsse man unterscheiden zwischen den Ursachen. Denn wenn Straßen unter Wasser stehen, dann seien in der Region fast immer Sturzfluten dafür verantwortlich, nicht aber das Überlaufen von Seen oder Flüssen. „Wenn es innerhalb kürzester Zeit heftig regnet, dann ist die Kanalisation überfordert und es kommt zu Überschwemmungen von Straßenzügen.“

Experten bleiben gelassen

Heise sieht, trotz aller Voraussagen, den kommenden Tagen entspannt entgegen. Natürlich beobachte man die Situation aufmerksam, aber es liege weder ein akutes Problem vor noch habe er die Befürchtung, dass es zu einer brenzligen Situation kommen wird. Im Vergleich zum Jahrhunderthochwasser 2011 sei die Lage normal. Damals lag der höchste Wasserstand am Messpunkt des Tollensesees bei 83 Zentimetern, momentan bewegt sich der Pegel bei 60 Zentimetern. Zum Vergleich: Der Mittelwert von Neubrandenburgs größtem See liegt bei 56 Zentimetern.