Diestel kritisiert Staatsanwaltschaft scharf:

Platzt der Prozess gegen KZ-Sanitäter?

Die Staatsanwaltschaft Schwerin stellt einen Befangenheitsantrag gegen die Schwurgerichtskammer Neubrandenburg. Das will der Verteidiger des ehemaligen KZ-Sanitäters Hubert Z. aber nicht einfach hinnehmen.

Peter Michael Diestel verteidigt Hubert Z.. Der Anwalt greift die Staatsanwaltschaft Schwerin an.
Frank Wilhelm Peter Michael Diestel verteidigt Hubert Z.. Der Anwalt greift die Staatsanwaltschaft Schwerin an.

Der Verteidiger von Hubert Z. nimmt kein Blatt vor den Mund: „Wir halten den Befangenheitsantrag der Staatsanwaltschaft zwar für rechtlich zulässig, jedoch für dümmlich und kontraproduktiv“, erklärte Rechtsanwalt Peter Michael Diestel am Donnerstag. „Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten.“

Indem das Gericht an den ersten Verhandlungstagen das Thema Verhandlungsfähigkeit seines Mandanten erörtern wolle, prüfe es die „elementaren Verfahrensvoraussetzungen für solch einen Mammutprozess“.

Befangenheitsanträge gegen Gericht

Hintergrund der Diestel-Kritik: Am Vortag war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Schwerin, die die Ermittlungen gegen den ehemaligen KZ-Sanitäter Hubert Z. führt, einen Befangenheitsantrag gegen die zuständige Kammer des Landgerichts Neubrandenburg gestellt hat. "Ja, es gibt so einen Antrag", bestätigte Carl Christian Deutsch, der Pressesprecher des Landgerichts Neubrandenburg.

Der Befangenheitsantrag richtet sich gegen den Vorsitzenden Richter der Schwurgerichtskammer, Klaus Kabisch, sowie einen weiteren Richter der Kammer, sagte Oberstaatsanwältin Claudia Lange, Sprecherin der Schweriner Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwaltschaft befürchtet, dass die Kammer das Verfahren gegen Hubert Z. frühzeitig einstellen oder aber durch einen schnellen Freispruch für den Angeklagten beenden wolle.

Der Prozess gegen Hubert Z. soll am 29. Februar beginnen. Ihm wird Beihilfe zum Mord in 3681 Fällen während seines Dienstes im KZ Auschwitz vorgeworfen.

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