Kriminalität im Internet:

Polizei hinkt im Wettlauf mit Netz-Verbrechern hinterher

Mobbing, Stalking, Betrug, Online-Spiele, Kinderpornografie: Mit den Gefahren des Internets beschäftigte sich jetzt eine Tagung beim Landeskriminalamt. Die Fallzahlen steigen drastisch. Aber die Dunkelziffer liegt wohl weitaus höher.

Jede dritte Firma wurde laut Handelskammer schon mal über das Internet angegriffen.
Julian Stratenschulte Jede dritte Firma wurde laut Handelskammer schon mal über das Internet angegriffen.

Die Landespolizei stößt bei der Bekämpfung von Internet-Kriminalität offenbar häufig an ihre Grenzen. „Bei unserem Personalstand und der Vielzahl von Fällen fällt viel hinten runter und es gibt auch sehr lange Bearbeitungszeiten“, sagte Cybercrime-Experte Daniel Buchholz bei einer Fachtagung am Donnerstag im Landeskriminalamt (LKA). An die anwesenden Lehrer und Schulsozialarbeiter richtete Buchholz dann auch folgerichtig den Appell: „Letztlich kommt es auch sehr auf Ihre Präventionsarbeit an.“

Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wuchs die Computerkriminalität vom Jahr 2012 bis 2013 beträchtlich von 1669 auf 2479 bekannt gewordene Fälle. Aktuellere Zahlen stellt Innenminister Lorenz Caffier (CDU) erst in der kommenden Woche vor. Der finanzielle Schaden belief sich 2013 auf rund 800 000 Euro, so LKA-Experte Buchholz.

Viele Angriffe würden aber gar nicht angezeigt: „Entweder wird der Polizei nicht zugetraut, dass sie den Fall aufklärt, oder man erachtet den Schaden als zu gering.“ Firmen würden darüber hinaus mit einer Anzeige zögern, weil sie befürchteten, dass die Beamten für lange Zeit ihre Technik zur Auswertung beschlagnahmen.

Schwachstellen bei der Kompetenz der Kriminalpolizisten

Buchholz verwies in dem Zusammenhang auf eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer Nord (IHK) unter ihren Mitgliedsunternehmen. Das Ergebnis: Jede dritte Firma wurde innerhalb von zwölf Monaten angegriffen – und satte 57 Prozent haben danach keine Anzeige erstattet.

Die Polizei muss aber auch oft aufgeben, weil es an der gesetzlichen Grundlage fehle, schätzte der Experte ein. So dürfen Handy-Daten nicht für längere Zeit gespeichert werden. Ebenso hapere es bei der Qualifikation von Kriminalpolizisten. „Wir hatten einen Fall von massiver Beleidigung per E-Mail. Anzeige wurde beim Kriminalkommissariat vor Ort gestellt. Doch die Beamten wussten nicht, dass man aus den E-Mail-Anhängen Rückschlüsse filtern kann.“ Das Ergebnis: Die Polizisten baten die Staatsanwaltschaft, den Fall einzustellen. Die aber wandte sich an das LKA, das innerhalb von fünf Tagen einen Verdächtigen in Schwerin finden konnte.

Mehr als 7000 anonyme Hinweise in einem Jahr

Weitere Nachteile für die Ermittler: Ein Klick des Täters erreicht oft tausende potenzielle Opfer, die größtenteils gar nicht statistisch erfasst werden. Zudem wird oft vom Ausland aus agiert, wo kein Zugriff möglich ist.

Wer auf verdächtige Internetinhalte stößt und darüber die Polizei informieren will, kann das anonym auf www.netzverweis.de tun. 704 Hinweise gab es dort vergangenes Jahr, sagte Buchholz. Seit Bestehen der Seite seien 7328 Hinweise eingegangen. Meist handele es sich um Extremismus-Verdacht, gefolgt von Kinderpornografie.

 

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung