Nazi-Veranstaltung aufgelöst:

Polizei verhindert rechtes Konzert in Nadrensee

Konzerte der rechten Szene werden meist verboten. Deshalb halten die Veranstalter die Konzert-Orte geheim. Dieses Wochenende verhinderte die Polizei ein konspirativ vorbereitetes Konzert.

Mit massivem Aufgebot hat die Polizei ein Rechten-Konzert verhindert - und nebenbei noch zwei Diebe dingfest gemacht.
Christopher Niemann Mit massivem Aufgebot hat die Polizei ein Rechten-Konzert verhindert - und nebenbei noch zwei Diebe dingfest gemacht.

Nadrensees Bürgermeisterin Dorina Voß wunderte sich am Sonnabendabend über die Polizeipräsenz in ihrem Dorf. Warum die Beamten in großer Anzahl vor Ort waren, erschloss sich ihr aber nicht.

"Wir haben nur gemerkt, dass niemand mehr durchs Dorf fuhr", sagt Dorina Voß. Dass in Nadrensse ein Konzert der rechten Szene stattfinden sollte, überraschte sie dann schon. Die dafür auserkorene ehemalige Gaststätte, seit einigen Jahren nicht mehr betrieben und in Privatbesitz, gilt nach ihren Worten nicht als Treff der rechten Szene.

Für Aufklärung sorgte die Polizei am Sonntag. In dem Dorf in Grenznähe wurden ein konspirativ vorbereitetes Konzert verhindert und Instrumente der Band "Überzeugungstäter Vogtland" sichergestellt. Zudem wurden von mehr als 40 Personen die Personalien aufgenommen.

Auftritte von Bands aus Sachsen, Berlin und MV

Der Polizei war zuvor nach eigenen Angaben bekannt geworden, dass Mitglieder der neonazistischen Kameradschaft "Aryan Warriors" aus Ueckermünde ihr 15-jähriges Bestehen mit einem Konzert  feiern wollten.

Geplant waren Auftritte der Bands "Überzeugungstäter Vogtland" aus Sachsen, "Stimme der Vergeltung" aus M-V und "D.S.T." (Deutsch, Stolz, Treue) aus Berlin. Bereits zuvor sei einzelnen Mitgliedern der Kameradschaft klar gemacht worden, dass die Polizei das Konzert verhindern wird.

Keine leere Drohung: für den mehrstündigen Einsatz waren 125 Beamte der Polizeiinspektion Anklam, der Polizeipräsidien Neubrandenburg und Rostock, des Landesbereitschaftspolizeiamtes sowie der Kriminalpolizeiinspektion Anklam im Einsatz, dazu ein Hubschrauber der Landespolizei.

Mehr als ein Dutzend möglicher Auftrittsorte

Zunächst war der Veranstaltungsort der Polizei nicht bekannt, wohl aber mehr als ein Dutzend möglicher Auftrittsorte. Dennoch gelang es der Polizei, kurz vor 18 Uhr Nadrensee als Treffpunkt auszumachen, wo erste Teilnehmer aus der Region mit Fahrzeugen eintrafen.

Wohl wegen der Kontrollen hätten dann nur noch wenige Personen versucht, das Konzert zu besuchen. Die Polizei sprach zudem eine so genannte Verbotsverfügung aus, an die sich der in Ueckermünde wohnhafte Veranstalter hielt. Die Beamten zogen sich danach nicht sofort  zurück, um eine Ausweichveranstaltung an einem anderen Ort zu verhindern.

So blieb auch die Hubschrauber-Besatzung vor Ort, die gegen 22.45 Uhr in Ueckermünde im Heideweg Personen feststellte, die offensichtlich Fahrzeugteile in ein Auto umluden.

Zwei Verfahren wegen Diebstahl eingeleitet

Beamte stellten die beiden Personen bei Bellin. Im Fahrzeug lagen alte Ersatzteile wie Stoßstangen. Gegen eine 20-jährige Frau und einen 25-jährigen Mann, beide aus der Region, wurden Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Diebstahls eingeleitet.

Die Band "Überzeugungstäter Vogtland" wird laut Polizei seit 2011 durch den Verfassungsschutz als rechtsextremistische Musikgruppe geführt.

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