Mehr Verbote als im Vorjahr:

Polizei verhindert sechs rechtsextreme Konzerte

Die Neonazi-Konzerte im Land werden weniger. Auch die Besucherzahlen nehmen ab. Doch noch immer haben die Veranstaltungen einen hohen Stellenwert in der Szene. Sie zu vereiteln fällt den Beamten nicht leicht.

Musikveranstaltungen locken noch immer rechtsradikale Bands und Zuhörer nach MV - wenn auch weniger oft. Sie zu unterbinden fällt der Polizei meist schwer.
Bernd Thissen Musikveranstaltungen locken noch immer rechtsradikale Bands und Zuhörer nach MV - wenn auch weniger oft. Sie zu unterbinden fällt der Polizei meist schwer.

Grölen gegen alles, was anders ist: Insgesamt 20 Mal haben die Sicherheitsbehörden im vergangenen Jahr Rechtsrock-Konzerte in Mecklenburg-Vorpommern registriert. Ungefähr die Hälfte davon ging in Vorpommern über die Bühne. Unter anderem im Raum Anklam. Aber auch im westlichen Teil des Landes gibt es mit Grevesmühlen und Umgebung eine Hochburg. Besonders gefährlich: Die Auftritte sollen nicht nur dem Zusammenhalt der Szene, sondern auch der Rekrutierung neuer Gesinnungsgenossen dienen – und daher insbesondere junge Leute ansprechen, sagte Innenminister Lorenz Caffier (CDU). „Musik in der rechtsextremistischen Szene genießt weiterhin einen hohen Stellenwert und nimmt eine wichtige identitätsstiftende Rolle ein.“

Verglichen mit dem Vorjahr sank die Zahl der Konzerte von 26 auf 20. Gleichzeitig gingen auch die Teilnehmerzahlen von über 2600 im Jahr 2013 auf rund 1700 im vergangenen Jahr zurück. Und die Polizei scheint auch etwas erfolgreicher zu sein, wenn es darum geht, die Hass-Konzerte zu unterbinden: Drei Mal wurden sie schon im Vorfeld per Verfügung verboten und weitere drei Mal während des Auftritts aufgelöst. Zuvor hatten es die Beamten gerade mal auf ein bis drei Verbote und Auflösungen gebracht – pro Jahr.

Verbote im privaten Raum sind schwer durchzusetzen

Besonders die konspirative Vorgehensweise macht den Ermittlern das Leben schwer, so Caffier bei der Vorstellung der Statistik „Politisch motivierte Kriminalität“ für das Jahr 2014. „Die Musikveranstaltungen werden nach wie vor überwiegend auf Privatgelände oder in privaten Räumen durchgeführt. Konzerte, die während einer Hochzeit oder eines Geburtstages stattfinden, kann man nicht ohne Weiteres verbieten.“ Und: Bands, die nicht verboten sind, hätten die gleichen Rechte wie alle anderen Musikgruppen.

Nach Angaben des Ministeriums wurden Konzerte in Ueckermünde, Viereck bei Löcknitz und in Greifswald aufgelöst, während die drei Verbote im Vorfeld in Grevesmühlen, Löcknitz und Gallentin im Landkreis Nordwestmecklenburg ausgesprochen wurden. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald trieben laut Verfassungsschutz in den vergangenen Jahren bekannte Szene-Bands wie „Stimme der Vergeltung“, „Wiege des Schicksals“ und die „Liebenfels Kapelle“ alias „Skalinger“ aus dem Raum Wolgast ihr Unwesen. Die Konzertbesucher stammen nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden überwiegend aus Mecklenburg-Vorpommern, die Bands kämen aber auch aus anderen Bundesländern.

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