Nach Mobbing-Skandal:

Polnische Lehrerin gibt nicht auf

Der Petitionsausschuss des Landtages nimmt die Mobbingvorwürfe einer früheren Lehrerin der Löcknitzer Regionalschule sehr ernst. Dem Vorsitzenden geht es vor allem um ein böses Gerücht.

Die Lehrerin Katarzyna Zawadzka-Faulde wurde an ihrer alten Schule in Löcknitz des Diebstahls beschuldigt.
Udo Roll Die Lehrerin Katarzyna Zawadzka-Faulde wurde an ihrer alten Schule in Löcknitz des Diebstahls beschuldigt.

Am 18. Juli müssen sie alle antreten. Der Leiter der Regionalschule Löcknitz, ein Vertreter des Schulamtes sowie des Schweriner Bildungsministeriums. Manfred Dachner hat sie eingeladen. Der SPD-Mann ist Vorsitzender des Petitionsausschusses und ziemlich sauer über einen Fall aus Löcknitz, der an ihn herangetragen wurde und der vor Jahresfrist auch im Nordkurier aufgegriffen worden war: Die aus Polen stammende Lehrerin Katarzyna Zawadzka-Faulde hatte im Herbst 2013 nach nur zwei Jahren ihren Job an der Regionalschule in Löcknitz hingeschmissen, weil sie sich durch andere Kolleginnen gemobbt gefühlt hatte.

Unter anderem sei durch einzelne Lehrer unter Schülern das Gerücht gestreut worden, dass sie gestohlen habe. Dabei war ihre Arbeit mit den Schülern unter anderem auch durch Ministerpräsidenten Erwin Sellering (SPD) gelobt worden. Sie hatte mehrere deutsch-polnische Projekte angeschoben. Ihr Fall hatte nach einem Bericht in einer polnischen Zeitung auch in Szczecin (Stettin) für Aufsehen gesorgt.

Keinerlei Schutz vor Verleumdungen

Einer der Hauptvorwürfe von Katarzyna Zawadzka-Faulde: Dass das böse Diebstahls-Gerücht offiziell nie durch den Schulleiter durch ein klares Wort aus der Welt geräumt wurde. Das sieht auch Manfred Dachner äußerst kritisch. Dem ehemaligen Polizisten liegt die Unschuldsvermutung nach wie vor sehr am Herzen. „Die Petentin hatte von der Schulleitung beziehungsweise dem Schulamt eine Klarstellung zum Diebstahlsvorwurf verlangt“, so Dachner. Dies sei nicht erfolgt, obwohl es keinerlei Belege für einen Diebstahl gebe. „Dann kann es doch nicht so schwer sein mit einer Entschuldigung. Ich finde das Verhalten der Schule und des Schulamtes unerhört“, stellte Dachner gegenüber dem Nordkurier klar. Die Verantwortlichen hätten darauf reagieren müssen, um die Lehrerin vor den Verleumdungen zu schützen.

Angesichts dieser Versäumnisse hat Dachner die Schulleitung und das Schulamt in den Ausschuss eingeladen und damit bereits ein Signal gesetzt. Dort werden die Behördenvertreter gegenüber den Landtagsabgeordneten Farbe bekennen müssen. Gerne wäre auch die betroffene Lehrerin selbst mit dabei gewesen im Ausschuss, sagt deren Mann Sigurd Faulde. Ein entsprechender Antrag sei aber mit dem Verweis darauf abgelehnt worden, dass die Sitzungen nicht öffentlich seien. Deshalb dürfen auch keine Journalisten an den Tagungen teilnehmen.

Lehrerin ist nicht mehr in MV tätig

Aus Sicht von Sigurd Faulde ist der „überforderte Schulleiter Scheel nur ein kleines Licht in dieser Angelegenheit. Das Hauptproblem ist, das solche Leute und deren Verhaltensweisen gedeckt werden, über das Schulamt Greifwald bis hin ins Ministerium hinein“. Ob diese Vorwürfe stimmen, kann der Petitionsausschuss klären. Manfred Dachner verspricht: „Wir bleiben hartnäckig.“ Die Zwangsinstrumente des Gremiums gegenüber den Ämtern sind allerdings begrenzt. Die schlimmste Strafe für Behörden besteht in der Nennung der „Schuldigen“ in den Berichten des Petitionsausschusses, die dem Landtag regelmäßig vorgelegt werden. 

Katarzyna Zawadzka-Faulde ist nicht mehr als Lehrerin in MV tätig. Sie unterrichtet seit mehreren Monaten an einer Volkshochschule in Berlin.

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