Massenkarambolage auf der A 19:

Prozess wegen Befangenheit unterbrochen

Mit Spannung waren im Sandsturm-Prozess die ersten Vorträge der Gutachter erwartet worden. Doch daraus wurde nichts. Es ist fraglich, ob die Verhandlung in der jetzigen Besetzung fortgesetzt wird.

Ein Bild des Grauens: Wegen einer Sandwolke rasten im April 2011 mehr als 80 Fahrzeuge ineinander. Acht Menschen waren getötet und 59 verletzt worden.
Bernd Wüstneck Ein Bild des Grauens: Wegen einer Sandwolke rasten im April 2011 mehr als 80 Fahrzeuge ineinander. Acht Menschen waren getötet und 59 verletzt worden.

Rostock. Der Rostocker Prozess um die verheerende Massenkarambolage in einem Sandsturm auf der Autobahn 19 mit acht Toten ist nach einem Befangenheitsantrag unterbrochen worden. Der Vorsitzende Richter mache den Eindruck, als habe er sich bereits auf ein Urteil gegen seine Mandantin festgelegt, sagte der Verteidiger am Mittwoch vor dem Amtsgericht Rostock.

Einer 53-jährigen Brandenburgerin wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Sie soll im April 2011 in die Wolke hineingefahren sein, ohne das Tempo den widrigen Bedingungen angepasst zu haben. In der Wolke sei sie auf ein Auto aufgefahren, in dem ein Ehepaar starb. Die Frau hatte dieser Darstellung widersprochen. Sie hatte erklärt, die Wolke sei urplötzlich aufgetaucht.

Grund für den Befangenheitsantrag war die kurzfristig angesetzte Befragung eines 78-Jährigen aus der Nähe von Oranienburg. Er hatte wenige Minuten vor der Angeklagten die Unglücksstelle passiert. Der Mann erklärte, die Wolke über der Autobahn sei schon aus rund 600 Metern zu sehen gewesen: „Das war kein plötzliches Ereignis.“

Erst Ende Februar geht es weiter

Der Zeuge hatte sich erst in der vergangenen Woche per Brief an das Gericht gewandt. Zuvor hatte er einen Bericht mit den Erklärungen der Angeklagten zum Auftauchen der Wolke gelesen. Der Verteidiger wandte ein, dass er am ersten Verhandlungstag einen Antrag zur Befragung von mehr als 30 Zeugen gestellt habe, die die Aussage seiner Mandantin stützten. Über seinen Antrag sei noch nicht entschieden – dagegen werde der 78-Jährige gehört, der gar nicht zum Unfallzeitpunkt am Ort der Massenkarambolage gewesen sei.

Zuvor hatten zwei Autofahrerinnen die Schilderung der Brandenburgerin bestätigt, beim Zufahren auf die Sandwolke sei nicht erkennbar gewesen, wie schlecht die Sicht darin war.

Die für diesen Mittwoch geplante Anhörung von Gutachtern wurde auf den 25. Februar verschoben.

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