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Prozessbeteiligte streiten um Schuld

Weil juristische Fristen nicht eingehalten werden können, muss die Hauptverhandlung gegen Hubert Z. von vorne beginnen. Verteidigung und Nebenkläger machen sich gegenseitig schwere Vorwürfe.

Am Landgericht Neubrandenburg sollte der Prozess gegen den ehemaligen SS-Sanitäter eigentlich am kommenden Montag weitergeführt werden.
Stefan Sauer Am Landgericht Neubrandenburg sollte der Prozess gegen den ehemaligen SS-Sanitäter eigentlich am kommenden Montag weitergeführt werden.

Nach dem Platzen des Neubrandenburger Prozesses gegen einen früheren SS-Sanitäter des Konzentrationslagers Auschwitz gibt es heftige Schuldzuweisungen zwischen den Verfahrensbeteiligten. Der Verteidiger des 96-jährigen Angeklagten, Peter-Michael Diestel, unterstellte der Staatsanwaltschaft Schwerin und den Nebenklägern am Freitag, mit ihren Befangenheitsanträgen gegen insgesamt drei Richter den Prozess verschleppen zu wollen, „damit ein Urteil, komme was wolle, nicht gesprochen wird“. Diestel nannte die Befangenheitsanträge hilflos und destruktiv „in einem der letzten Prozesse, wenn nicht gar dem letzten Prozess, um das Geschehen in Auschwitz“.

Der Vertreter der Nebenklage, Thomas Walther, wiederum warf dem Vorsitzenden Richter Klaus Kabisch vor, die Beweisaufnahme zum Vorwurf der Mordbeteiligung des Angeklagten in Auschwitz gar nicht beginnen zu wollen. „Seit Beginn des Jahres sollte lediglich die Verhandlungsunfähigkeit herbeigeredet und keinesfalls nach strengen Beweisregeln überprüft werden“, erklärte Walther am Freitag. Verfahrensrechte der Nebenkläger seien bis hin zur Verweigerung des Anwaltsgesprächs mit den Mandanten beschnitten und missachtet worden.