Psyche von Arbeitnehmern im Fokus:

Wenn zu viel Arbeit krank macht

Die stetige Verdichtung der Arbeit belastet die Beschäftigten. Immer mehr Mitarbeiter melden sich krank, weil sie nicht mehr können. Eine Behörde will da jetzt gegensteuern.

Oliver Berg Das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern sieht großen Nachholbedarf beim Schutz von Mitarbeitern vor Erschöpfung.

Angesichts stetig steigender Zahlen von Krankmeldungen durch Erschöpfung oder anderer psychischer Erkrankungen hat das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) die Arbeitgeber zu verstärkter Aufmerksamkeit aufgerufen. «Ein großer Teil der Firmen hat keine Gefährdungsbeurteilung - schon gar nicht zum Thema Psyche, obwohl das gesetzlich vorgeschrieben ist, sagte Lagus-Direktor Heiko Will. «Ohne das gezielte Anschauen der Arbeitsplätze und der Bedingungen ist nicht zu verhindern, dass ein Arbeitnehmer in die Gefährdung hineinrutscht.» Das Lagus, das am 1. Januar zehn Jahre alt wird, ist oberste Arbeitsschutzbehörde im Land.

Als erste Behörde im Land hat nun das Lagus einen Fragebogen zur Gefährdungsbeurteilung vorgelegt. «Wir können sehr konkret auf die möglicherweise bislang verborgenen Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen, wir kommen raus aus der Bla-Bla-Zone», sagte Will. Auch im Lagus sei die Arbeitsverdichtung zu spüren. Seit 2005 ist die Zahl der Mitarbeiter von 729 auf nunmehr 469 gesunken. Dieser Prozess werde sich weiter fortsetzen. Der Krankheitsstand im Lagus liege im Schnitt bei zehn Prozent.

Psyche häufig der Grund für Krankschreibungen

«Die psychische Gefährdungsbeurteilung ist seit diesem Dezember Gegenstand des jährlichen Personalführungsgesprächs», erklärte die Lagus-Arbeitspsychologin Maria Heide. Anhand von klar strukturierten Vorgaben wie Arbeitsaufgabe und -organisation, soziale Beziehungen und Arbeitsumgebung können mögliche Belastungen erkannt werden. Daraus könnten sich gemeinsame Entscheidungen zur Verringerung der Belastung ableiten lassen. Erste Vorbehalte gegenüber dem Konzept und den Beurteilungsgesprächen konnten dadurch beseitigt werden, dass sich die Fragen ausschließlich auf die Tätigkeit und nicht auf die Persönlichkeit der Mitarbeiter beziehen, sagte Heide.

In einer Stress-Studie der Krankenkasse TK hatten zwei Drittel der Berufstätigen angegeben, dass ihr Leben unter anderem wegen der rasanten Veränderung der Arbeitswelt stressiger geworden ist. «Dank mobiler Kommunikation verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Familie und Beruf in Einklang zu bringen, fällt vielen schwer», sagte Manon Austenat-Wied, TK-Chefin im Nordosten. Psychische Erkrankungen seien mittlerweile die zweithäufigsten Gründe für Krankschreibungen nach Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems.

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