Debatte nach Backhaus-Unfall:

Radfahrer leben gefährlich

Der Streit zwischen Landwirtschaftsminister Till Backhaus und einem Autofahrer hat die Risiken für Radler in ein aktuelles Licht gerückt.

Immer mehr Radfahrer werden in Verkehrsunfälle verwickelt. Oft sind sie unschuldig. Doch was hilft diese Erkenntnis, wenn Leib und Leben bedroht sind.
Thomas Frey Immer mehr Radfahrer werden in Verkehrsunfälle verwickelt. Oft sind sie unschuldig. Doch was hilft diese Erkenntnis, wenn Leib und Leben bedroht sind.

Zu ihrer eigenen Sicherheit und als Achtungszeichen für Autofahrer sollten sich Radler auf der Straße in der rechten Reifenspur von Kraftwagen bewegen. Das rät der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC). „Radfahrer müssen in ihrem Verhalten deutlich machen: Wir sind ein Fahrzeug und auf der Straße nicht nur geduldet, wir gehören da hin“, sagt Steffen Burkhardt, Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern.

Als Rad- und Autofahrer kennt der Greifswalder die Probleme beider Seiten. Er verweist auf ein Gerichtsurteil zu Abstandsregeln: Demnach seien Distanzen von einem Meter zwischen Rad und Bordstein sowie anderthalb Meter beim Überholen Pflicht. „Dann kann der Autofahrer nicht einfach geradeaus durchziehen, sondern muss blinken und ausscheren.“ Die Pöbelei zwischen dem radelnden Minister Backhaus (SPD) und einem Cabriofahrer, die sich auf einer schmalen Straße bei Rostock in die Quere kamen, liefert seit Tagen Schlagzeilen im Norden.

Laut Verkehrsunfallstatistik waren 2012 landesweit 1454 Radfahrer verunglückt, acht davon tödlich. „Der Anteil der Radfahrer an Verkehrsunfällen steigt“, erklärt das Innenministerium. „Während ihr Anteil 2008 noch 19,4 Prozent betrug, lag er 2012 bereits bei 22 Prozent.“ An zwei Dritteln aller Unfälle mit Beteiligung von Fahrradfahrern tragen diese keine Schuld.

Die Landesverkehrswacht begrüßt die Zunahme des Radverkehrs, fordert aber auch mehr Rücksichtnahme zwischen den Verkehrsteilnehmern. „Radfahrer sind gegenüber Autos die Schwächeren“, sagte Präsident Hans-Joachim Hacker. „Doch auch für Radfahrer gilt die Straßenverkehrsordnung“, betonte er mit Fingerzeig auf allzu laxe Pedalritter.

Mit wenigen baulichen Veränderungen lässt sich aus Sicht des ADFC die Sicherheit für Radfahrer deutlich verbessern: So reservieren etwa gestrichelte Linien auf der rechten Fahrbahnseite Platz für Zweiräder, bei durchgezogenen Markierungen sind die Radstreifen für Pkw gänzlich tabu. Mit Interesse wartet der Verein auf die Ergebnisse eines gerade begonnenen, dreijährigen Modellversuchs in Westmecklenburg, wo auf Landstraßen Radwege abgeteilt und für Autos ein Tempolimit von 70 Stundenkilometern erlassen wurde. 

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