Zu wenig deutschsprachige Musik beklagt:

Radio-Rebellen wollen das ganze Land erobern

Die Neubrandenburger Bürgerinitiative stellt sich nach Absagen aus der Politik und von den NDR-Kontrolleuren der Öffentlichkeit, um Mitstreiter in MV zu gewinnen. Die Vorstellungen für die Titelauswahl sind klar.

Das waren noch Zeiten: Werbeschild auf einer Musikbox.
Sören Stache Das waren noch Zeiten: Werbeschild auf einer Musikbox.

„Ich freue mich über die Resonanz. Wir haben Verbindungen über die Stadtgrenzen Neubrandenburgs hinaus geknüpft“, fasst Willi Behnick zusammen. Seit ihrem Neustart im Frühjahr müht sich die Bürgerinitiative „Für ein besseres NDR 1 Radio MV“ um mehr deutschsprachige Musik im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Während es viel Zustimmung bei Gleichgesinnten gab, sind die Schlagerfans im Kern aber nicht weiter gekommen. „An der Musikauswahl im Programm hat sich nichts geändert“, bedauert der Sprecher der Bürgerinitiative. Nur die ständigen Lobpreisungen in eigener Sache seien inzwischen andere.

Schlagerfans bekommen keine Rückendeckung

Noch will die Bürgerinitiative nicht aufgeben, auch wenn Schreiben an den NDR, an Bundes- und Ministerpräsidenten oder die Fraktionen der demokratischen Parteien im Landtag keinen Rückenwind erzeugt haben. Zuletzt hatte Ilka Lochner-Borst, Vorsitzende des Landesrundfunkrats MV, den Fans deutschsprachiger Musik eine Absage erteilt. „Wir können nicht erkennen, dass der NDR gegen Programmgrundsätze verstoßen hat“, schreibt die Chefin des Kontrollgremiums für den NDR. Bei der vorgebrachten Kritik handele es sich um eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Behnick hat die Wortwahl der verschiedenen Absagen verglichen und ist zu einer Überzeugung gelangt. „Die stammen am Ende doch alle aus einer Feder“, meint er mit Blick auf die NDR-Spitze in Schwerin. Die etwa 20-köpfige Bürgerinitiative will nicht länger im eigenen Saft schmoren und sich deshalb der Öffentlichkeit präsentieren. Am 3. September solle um 15 Uhr im Neubrandenburger Anglerheim in der Lessingstraße das weitere Vorgehen besprochen werden. Eingeladen seien auch Lochner-Borst und Manfred Dachner, Vorsitzender des Petitionsausschusses im Landtag, so Willi Behnick. Darüber hinaus versucht die Bürgerinitiative, die Kreisseniorenbeiräte mit ins Boot zu holen. Am Ende stehe die Absicht, die Bürgerinitiative auf das ganze Land auszudehnen. Überlegt werde auch eine Zusammenarbeit mit dem Verein deutsche Sprache.

In der Wohnung ist der Musikärger gelöst

„Drei deutschsprachige Musiktitel, ein englischsprachiges Stück ist für mich das angemessene Verhältnis im Programm. Heute ist es genau anders herum“, meint er. Dabei gehe es nicht nur um Schlager, sondern um Seemannslieder,  Volksmusik oder auch mal einen „Grönemeyer“. Behnick selbst hat seinen Musikärger zumindest in der Wohnung gelöst – per Internet-Radio. „Da gibt es Sender wie Paloma oder 1000Schlager – einfach herrlich“, schwärmt er. Im Auto oder im Garten funktionierten diese Alternativen leider nicht.

EM-Kurier digital: 6 Wochen lang zum Sonderpreis lesen!

Kommentare (1)

Stellt sich die Frage, was der Petitionsausschuss mit der Angelegenheit zu tun hat? Als zumindest im Ansatz unabhängiges Medium ist der NDR unabhängig von der Politik, soll diese ja kritisch begleiten. So hat die Politik (zumindest soll es so sein) keinen Einfluss aufs Programm. Was wohl auch gut so ist. Der einzige Weg, der nicht über die Aufsichtsgremien des NDR geht, ist damit nur das Aus- bzw. Umschalten. Letzteres wird dank Alternativlosigkeit schwierig, aber Wege wurden gezeigt. Und dass man im Auto bzw. im Garten kein Internetradio hören kann, halte ich mal für ein böses Gerücht. Speziell im Garten holt ein Smartphone mit Aktivboxen auch jeden Sender durchs Netz. Im Auto ist der Empfang noch nicht so stabil, aber das wird auch noch. An einem Mittwoch, 15 Uhr, als Treffpunkt zu deklarieren, ist aber auch wieder Klientelpolitik. Damit filtert man sehr gut die Leute aus, die vielleicht eine andere Meinung als die BI haben.