Flüchtlinge in MV:

Räume und Lehrer für Deutsch-Kurse gesucht

Rund 6000 Flüchtlinge werden dieses Jahr in MV erwartet. Mit ihnen kommen etwa 2000 Kinder im Schulalter. Sie erwartet zuerst ein Crashkurs Deutsch – in rappelvollen Gruppen.

Rona Al Awad (links) und Razan Tamim aus Homsk in Syrien verfolgen am 18.03.2015 den Deutschunterricht für Flüchtlingskinder mit Lehrerin Anke Engelmann in der Fritz-Reuter-Schule in Parchim.
Jens Büttner Rona Al Awad (links) und Razan Tamim aus Homsk in Syrien verfolgen am 18.03.2015 den Deutschunterricht für Flüchtlingskinder mit Lehrerin Anke Engelmann in der Fritz-Reuter-Schule in Parchim.

„Sie wü-, wür-, würzt das Essen.“ Der 13-jährigen Razan aus Homs in Syrien steht die Anstrengung ins Gesicht geschrieben. In einem Klassenzimmer im mecklenburgischen Parchim lernt sie zusammen mit Mateusz aus Polen, Denis aus Kasachstan sowie Lika und Jewgeni aus Russland bei Lehrerin Anke Engelmann Wörter, die für Ausländer echte Zungenbrecher sind. „Sie backt einen Ku-chen. Ich rühre den Teig“, sagt Razan. Sie spricht leise. Die Kinder haben die Sätze gerade gelernt und sollen sie nun auswendig aufsagen. Nach 45 Minuten sieht auch die Lehrerin erschöpft aus.

Bis zu 20 Stunden Deutsch pro Woche bekommen die Kinder von Asylbewerbern in Mecklenburg-Vorpommern in speziellen Kursen, die aktuell an 66 Schulen erteilt werden. Sprechen und verstehen sie genug, um dem Unterricht folgen zu können, wechseln sie in die „normalen“ Klassen. „In Sport, Kunst und Musik nehmen die Kinder meist vom ersten Tag an in ihren Klassen, denen sie ihrem Alter entsprechend zugeteilt werden, am Unterricht teil“, sagt „Deutsch als Zweitsprache“-Fachlehrerin (DaZ) Engelmann. Das soll der Integration dienen.

Schulen stehen unter großem Druck

Razan lebt seit einem Dreivierteljahr mit ihrer Familie in Parchim. Anfangs war sie schüchtern, lange sprach sie kein Wort. Die Lehrer waren ratlos. Sie müssen einfühlsam sein, den Kindern Zeit geben. „Wer es braucht, kann länger bei mir im DaZ-Kurs bleiben“, sagt Engelmann.

Die Schulen stehen unter wachsendem Druck. Mit der anhaltenden Flüchtlingswelle kommen immer mehr ausländische Schulkinder ins Land. Das Schweriner Bildungsministerium rechnet mit rund 2000 in diesem Jahr. Derzeit lernen hierzulande 3090 Schüler nicht-deutscher Herkunft die Sprache.

Deutschkurse beginnen zwei Wochen nach Ankunft

Die DaZ-Kurse sind vielerorts voll, Fachlehrer und Räume sind Mangelware. „Wir suchen händeringend Lehrer“, sagt der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Kreistag des Landkreises Vorpommern-Greifswald, Patrick Dahlemann. Im Schnitt beginnen die Deutschkurse für die Kinder zwei Wochen nach Ankunft im Heim. Nur in Einzelfällen dauere es länger, etwa wenn ein DaZ-Kurs gerade voll ist oder zu einem Zeitpunkt viele Kinder zugleich ankommen.

„Es ist eine Herausforderung“, sagt Dahlemann, der auch für die SPD im Schweriner Landtag sitzt. Er habe aber noch keine Schule oder Elternschaft erlebt, die gesagt hätte, sie könnten damit nicht mehr umgehen.

Große Lücke an Berufsschulen

Die Linke-Bildungspolitikerin Simone Oldenburg berichtet, dass eine rasche Einschulung von Flüchtlingskindern bei Weitem nicht in allen Regionen des Landes gewährleistet sei. „Lehrerinnen und Lehrer werden von der Entwicklung förmlich überrannt, weil vonseiten des Bildungsministeriums nicht ausreichend Vorsorge getroffen wurde“, kritisiert sie. Ein besonderes Problem seien Berufsschulen, denn dort gebe es keine DaZ-Kurse. „Da gibt es eine echte Lücke. 16- und 17-jährige Asylbewerber hängen in der Luft, wenn sie nicht das Gymnasium besuchen.“

Nach Angaben des Bildungsministeriums ist sichergestellt, dass alle ausländischen Schulkinder einen Deutsch-Intensivkurs bekommen. Wegen der steigenden Zahlen würden aktuell 80 Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern zu DaZ-Fachlehrern weitergebildet.

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