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Rattenfänger haben einen krisensicheren Job

Der Kampf gegen Ratten ist das Hauptgeschäft der Schädlingsbekämpfer in Städten und Wohngebieten. Aber auch Mäuse, die in Betrieben elektronische Anlagen lahmlegen können, Ameisen in Häusern oder Kakerlaken in Küchen erfordern den Einsatz der Kammerjäger.

Eine Ratte in der Backstube? Lieber nicht. Wer ein Unternehmen führt, fürchtet die kleinen Nager.
Christina Vogt Eine Ratte in der Backstube? Lieber nicht. Wer ein Unternehmen führt, fürchtet die kleinen Nager.

Ratten, Mäuse, Schaben, Ameisen, Wespen, Maden - selbst ausgesprochene Tierfreunde haben diese Kreaturen nicht gerne um sich. Für Lebensmittelbetriebe, Kliniken, Kitas, Hotels und Wohnungsgesellschaften sind sie eindeutig ein Fall für den Kammerjäger. Die Unternehmen schließen daher mit Schädlingsbekämpfern Verträge über die regelmäßige Überwachung ihrer Häuser und Produktionsstätten, wie Tilo Ehlert von der Firma Nehlsen in Neubrandenburg in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur sagte.  

Eine Maus in der Backstube, das ist für den Landesinnungsmeister des Bäckereihandwerks Mecklenburg-Vorpommern, Thomas Müller, ein absolutes Unding. Schädlings-Prophylaxe sei für Bäcker eine Selbstverständlichkeit, sagte er. Dass Ratten über die Kanalisation in die Betriebe gelangen, gebe es nicht mehr. "Aber Schaben können mit Warenlieferungen hereinkommen." Mäuse könnten durch Türen huschen. Das könne teuer werden: "Wir haben viel Elektronik in den Backstuben", sagte Müller. Eine Maus in einer computergesteuerten Anlage richte schnell einen Schaden an, der in die Tausende gehe.

Fast alle Firmen fürchten die kleinen Tiere

Das ist auch für Agrarbetriebe der Grund, regelmäßig einen Schädlingsbekämpfer zu bestellen. Dass Nager Getreide und Futter fressen, sei das eine. Das andere seien Mäuse in Schaltschränken von Melk- oder Klimaanlagen und anderen elektronischen Geräten, sagte Ehlert. Auch Möbelhäuser würden die Nager fürchten, die sich nachts an den Waren zu schaffen machen könnten. So gut bekomme man kein Gebäude abgedichtet, dass nicht eine Maus hinein gelange, meinte er.

Der Hauptschädling aber ist die Ratte, wie Schädlingsbekämpfer Mathias Conrad aus Ziesendorf sagte, der zumeist im Auftrag von Wohnungsgesellschaften unterwegs ist. In Schwerin bekomme der Fachdienst Gesundheit gelegentlich Meldungen von Bürgern über die Sichtung von Ratten oder Hinweise auf deren Vorkommen, etwa durch auffällige Bodenveränderungen an Wegrändern, sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung. Dann würden sich Hygieneinspektoren an den Grundstückeigentümer wenden, der für die Bekämpfung zuständig sei.

Ratten bevorzugen lichtgeschützte Bereiche

Die Sprecherin der Wohnungsgesellschaft Wiro in Rostock, Dagmar Horning, sagte: "Da sich Ratten insbesondere während der kalten Monate gern in lichtgeschützten Bereichen wie Kellern und Dachböden niederlassen, verschließen wir vorsorglich Zugänge wie Türspalten oder Licht- und Luftschächte. Sollten wir dennoch eine Rattenplage feststellen, wird umgehend ein Schädlingsbekämpfer beauftragt."

Wenn die Ratten sich tagsüber zwischen den Häusern sehen lassen, legt Conrad Giftköder aus: "So lange, bis die Köder nicht mehr angenommen werden", erläuterte er. Dann könne er davon ausgehen, dass sich die Ratten zum Sterben zurückgezogen haben. Die Tiere leben in der Kanalisation und ernähren sich von dem, "was so die Toilette runtergespült wird". Natürliche Feinde hätten sie nicht, denn Katzen in der Stadt würden sich kaum an sie herantrauen. Eher profitierten die Ratten von den Katzen - nämlich an Futterplätzen für freilebende Tiere. In diesem Jahr sei die Ratten-Population wegen des milden Winters größer als sonst, sagte Conrad.  

"Jede Jahreszeit hat ihre Schädlinge"

Schädlingsbekämpfer haben nach Conrads Ansicht einen krisensicheren Job. "Jede Jahreszeit hat ihre Schädlinge", meinte er. Im Winter die Ratten, im Frühjahr bereitet er sich auf die Ameisen vor, die in Häuser eindringen oder Fußwege unterhöhlen. Gegen sie geht er mit Giftködern, Spritzbrühe oder Fraßgel an. Später im Jahr werden verwilderte Tauben vergrämt und Wespennester beseitigt.

Ganz speziell arbeitet Schädlingsbekämpfer Michael Schossow aus Barth. Er ist auf die Tatortreinigung und Desinfektion spezialisiert. Wenn Leichen längere Zeit gelegen haben, seien etwa Schmeißfliegen und Maden zu beseitigen, berichtete er. Im Hauptgeschäft desinfiziere er Kitas, Schulen, Krankenhäuser, Hotels und Großküchen nach besonderen Vorkommnissen wie Fällen von Noroviren, Grippe oder Masern.