Proteste gegen Flüchtlinge:

Rechte organisieren in fünf Städten Aufzüge

Hitlergruß, Flaschenwürfe, Angriff auf eine Flüchtlingsunterkunft: Rechte Gruppen machten am Wochenende Stimmung gegen Flüchtlinge. In Ueckermünde ermittelt nun die Kriminalpolizei, in Schwerin der Staatsschutz.

Patrick Seeger Die Polizei hatte am Wochenende viel zu tun. In fünf Städten organisierten rechte Gruppen Proteste gegen Flüchtlinge

In Mecklenburg-Vorpommern haben am Wochenende an mehreren Orten Gegner der aktuellen Flüchtlingspolitik demonstriert. An den meist von rechten Gruppen organisierten Aufzügen in Wismar, Demmin, Burg Stargard, Stralsund und Ueckermünde nahmen nach Angaben der Polizei am Freitagabend und Samstag insgesamt mehr als 1000 Menschen teil.

Außerdem hat der Staatsschutz in Schwerin gegen sieben Frauen und Männer Ermittlungen aufgenommen, die in der Nacht zu Freitag den Wachdienst einer Flüchtlingsunterkunft mit Holzpfählen und einer Bierflasche angegriffen haben. Die Wachleute zogen sich zurück und alarmierten die Polizei. Die zwei Frauen und fünf Männer seien ermittelt worden, müssten aber noch angehört werden. Verletzte gab es nicht.

Bei einer Aktion der sogenannten MV-Patrioten in Stralsund gab es drei Verletzte, darunter durch einen Flaschenwurf. In Stralsund hatte sich mit 440 Teilnehmern die größte Gruppe von Flüchtlingsgegnern versammelt, denen linke Gruppen entgegentraten. In Demmin zogen am Samstag rund 280 Demonstranten mit Schildern wie "Die Presse lügt" durch die Stadt, darunter ein NPD-Landtagsabgeordneter, mehrere rechtsextreme Kommunalpolitiker aus dem Landkreis und nach Einschätzung der Stadtverwaltung erstmals etwa 70 Einheimische.

Neonazis reisten von Güstrow, Teterow und Loitz nach Demmin

"Es gibt keinen Anlass für solch eine Demonstration in Demmin", sagte Bürgermeister Michael Koch (CDU). In der Stadt mit 11 500 Einwohnern lebten dezentral in Wohnungen derzeit knapp 200 Flüchtlinge, darunter 27 Schulkinder. Probleme gebe es nicht. Nach Einschätzung der Polizei kamen die Rechtsextremen auch aus Teterow, Güstrow und Loitz.

In Wismar-Wendorf marschierten rund 150 Rechte durch den Stadtteil, in dem es eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber gibt. Ein Teilnehmer griff nach Polizeiangaben einen Beamten an, ein anderer zeigte den Hitlergruß. Die Polizei ermittelt. Verletzt wurde niemand.

Bereits am Freitagabend hatten etwa 60 dunkel gekleidete Menschen unangemeldet in Ueckermünde gegen Asylbewerber demonstriert. Die Demonstranten führten ein Plakat mit der Aufschrift "Kein Ort für Asylanten" mit. Als Beamte eintrafen, flohen sie in alle Richtungen. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.

In Burg Stargard hatten sich am Freitag erneut rund 100 Demonstranten gegen die Flüchtlingspolitik versammelt, denen etwa 50 Mitglieder der linken Szene gegenüberstanden. Es kam zu Flaschenwürfen. Nach Einschätzung des zuständigen Ordnungsamtes beteiligten sich bei den Rechten erstmals auch Mitglieder von Motorradrocker-Gruppen.

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