Verurteilter und Staatsanwaltschaft gehen in Revision:

Rechtsstreit um Honorarkonsul nun vor Oberlandesgericht

Als falscher Honorarkonsul eines Königreiches lebte ein Mann samt Familie jahrelang fürstlich in einem Schloss bei Friedland. Zweimal bekam er Haftstrafen. Nun geht es vor Gericht in die dritte Instanz.

In diesem Schloss zwischen Anklam und Neubrandenburg residierte Dieter G.
Winfried Wagner In diesem Schloss zwischen Anklam und Neubrandenburg residierte Dieter G.

Der Rechtsstreit um einen falschen Honorarkonsul Dieter O., der in zwei Instanzen zu Haftstrafen verurteilt wurde, geht in die nächste Runde. Der Verurteilte und die Staatsanwaltschaft hätten Revision gegen das Urteil der Berufungskammer eingelegt, sagte am Dienstag der Sprecher des Landgerichtes Neubrandenburg, Henning Vogt. Nun werde sich das Oberlandesgericht mit dem Fall befassen.

Der 65-Jährige hatte sich von 2009 bis 2012 als Honorarkonsul des Haschemiti-schen Königreichs Jordanien ausgegeben. Zusammen mit seiner 27 Jahre jüngeren Frau hatte er Geschäftspartner um mehr als 100  000 Euro betrogen. Mitte 2014 verurteilte ihn das Amtsgericht wegen Titelmissbrauchs und Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Dagegen legte der Mann Berufung ein. Vor der Berufungskammer des Landgerichts wurde die Strafe auf zwei Jahre und zwei Monate verkürzt.

Eine Friseurkette geriet in finanzielle Schwierigkeiten

Als Honorarkonsul hatte Dieter O. mit Familie und Scheinfirma auf Schloss Cosa bei Friedland (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) residiert, wo er auch opulente Empfänge für gute Bekannte gab. Diesen versprach er hoch dotierte Anstellungen, wofür sie mit Geld und teuren Autos in Vorleistungen gingen – und davon kaum etwas wiedersahen.

So hatte er etwa angekündigt, dass jordanische Geldgeber rund eine Million Euro in eine „weltweit agierende Friseurkette“ investieren wollten. Eine Friseurkette mit 60 Beschäftigten aus Brandenburg war an dem Geschäft interessiert – und geriet dadurch in Schwierigkeiten.

Im Berufungsverfahren hatte der angebliche Diplomat nach Angaben des Gerichtssprechers den Schuldspruch bereits akzeptiert, aber eine mildere Bestrafung gefordert. Dem kam das Gericht zwar nach, blieb aber unter der Forderung der Ankläger, die zwei Jahre und vier Monate Haft gefordert hatte. Der Verurteilte hoffte auf eine Bewährungsstrafe. „Nun legten beide Seiten Berufung ein, die allerdings auf das Strafmaß beschränkt ist“, erklärte Vogt.

Angeklagter war in der Strasburger SED-Kreisleitung

Die Frau des Hochstaplers hatte in erster Instanz eine Bewährungsstrafe wegen Beihilfe zum Betrug erhalten. Auch sie legte Rechtsmittel ein. Die Berufungskammer stellte das Verfahren gegen sie gegen eine Arbeitsauflage ein. Das Paar hat sechs gemeinsame Kinder im Alter zwischen sechs und 15 Jahren.

Dieter O. war zu DDR-Zeiten „Operativinstrukteur“ in der Abteilung Sicherheit der Neubrandenburger SED-Bezirksleitung – eine Art Aufseher für die Kreisverwaltungen im Bezirk. Ende der 80er Jahre brachte er es zum Zweiten Sekretär der Strasburger SED-Kreisleitung. Großen Respekt erarbeitete er sich damals aber nicht. Einstige Weggefährten wie beispielsweise Martin Wilke, bis zum November 1989 Erster Sekretär der SED-Kreisleitung Strasburg, bezeichneten ihn in der Erinnerung als „arrogant und geltungsbedürftig“.

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