Fußballstadion auf Rügen:

Regenwurm-Umsiedlungsprogramm abgesagt

Und sie arbeiten weiter im Untergrund: Bergen will nun doch nicht die Regenwürmer aus dem Rasen ihres Fußballstadions vertreiben. Wegen der Aktion war die Stadt vor kurzem im Schwarzbuch der Steuerzahler gelandet.

Eigentlich sollte mit Hilfe von Regenwürmern der Fußballplatz aufgelockert werden. Der Plan der Stadt ging nicht ganz auf.
Stefanie Paul Eigentlich sollte mit Hilfe von Regenwürmern der Fußballplatz aufgelockert werden. Der Plan der Stadt ging nicht ganz auf.

Kehrtwende auf dem Bergener Fußballplatz auf der Insel Rügen: Das geplante Umsiedlungsprogramm von Regenwürmern ist abgeblasen worden. Wie Bürgermeisterin Anja Ratzke (parteilos) am Donnerstag mitteilte, hat der Hauptausschuss der Stadt die rund 19.500 Euro teure Aktion abgesagt. Noch vor wenigen Monaten hatte jener Ausschuss die Umsiedlung beschlossen, um die Regenwürmer nach sechs Jahren endgültig aus dem Rasen des Stadions zu verdammen. Gründe für die Absage der Umsiedlung mittels eines umweltfreundlichen Lockmittels nannte Ratzke mit Verweis auf die nichtöffentliche Sitzung nicht. Noch im Juni hatte sie - damals noch als einfache Stadtvertreterin - die Aktion als "unverhältnismäßig" kritisiert. Und der Stadtpräsident Eike Bunge hatte Anzeige wegen Geheimnisverrats erstattet, weil Details aus einer Sitzung in die Öffentlichkeit gelangt waren.

Stadt landete mehrmals im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes

Rückblick: Die Stadtpolitiker hatten im Jahr 2009 rund 200.000 Würmer der Marke "Dutch Nightcrawler" aus den Niederlanden kommen lassen, nachdem Pfützen den Rasen des gerade sanierten Stadions unbespielbar gemacht hatten. Schon ein Jahr nach der rund 7000 Euro teuren Ansiedlung der Würmer landete die Stadt im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes - auch weil der erhoffte Erfolg ausblieb. Statt als Drainage zu wirken, vermehrten sich die Würmer und sorgten durch kleine Erdhäufchen dafür, dass der Platz uneben und bei feuchtem Wetter glitschig wurde.

Im Jahr 2013 hatte die Stadt ein 9500 Euro teures Gutachten für die Sanierung des Spielfeldes in Auftrag gegeben, die Drainage wurde erneuert, der Rasen neu eingesät. Weil auch diese Aktionen keinen Erfolg brachten, beschloss der Hauptausschuss im Frühjahr die Umsiedlung. Die Stadt landete erneut im Schwarzbuch. Kommentar des Bundes der Steuerzahler: "Die Wurmkur war eine Schnapsidee."

Ursache des gesamten Dilemmas waren offenbar Mängel im Unteraufbau des Stadions. Einen Rechtsstreit gegen die Baufirma, die dafür zuständig war, hatte die Stadt verloren. Wie Bergen nach der Absage des Umsiedlungsprogramms das Regenwurm-Problem nun in den Griff bekommen will, bleibt offen.