Streit um Agrarwirtschaft:

Reichen 0,75 Quadratmeter für die Haltung eines Schweins?

Grüne und Tierschützer wollen mehr Platz für Schweine. Sie reden von Tierquälerei. Agrarminister Backhaus ist gegen strengere Vorschriften.

Schweine im Mastbereich stehen 0,75 Quadratmeter zu. Das ist Naturschützern zu wenig.
Ingo Wagner Schweine im Mastbereich stehen 0,75 Quadratmeter zu. Das ist Naturschützern zu wenig.

Der breite gesellschaftliche Dialog über die Zukunft der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern ist nach Ansicht von SPD, CDU und Linken gescheitert. In einem Offenen Brief äußerten die drei Landtagsfraktionen ihr Bedauern über das Vorhaben der Vertreter von Umwelt- und Tierschutzorganisationen, einen eigenen Masterplan-Entwurf vorzulegen.

Die verschiedenen Ansichten prallten am Donnerstag auch in einer Landtagsdebatte aufeinander. Nach Worten von Agrarminister Till Backhaus (SPD) strebt Mecklenburg-Vorpommern keine veränderten Platzvorgaben für die Schweinemast an, will das Tierwohl insgesamt aber zusammen mit Tierhaltern und Tierärzten fördern. Es sei wichtig, die Eigenkontrolle und Überwachung in der Nutztierhaltung auszubauen, "um tatsächlich Verbesserungen zu bewirken", erklärte Backhaus. Mecklenburg-Vorpommern habe zudem schon eine moderne, am Tierwohl orientierte Landwirtschaft, die vielfach über den Maßstäben des Bundes liege.

Backhaus reagierte damit auf die Forderung der Grünen-Fraktion, Mecklenburg-Vorpommern solle sich der Bundesratsinitiative Nordrhein-Westfalens anschließen, die eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Mastschweinen zum Ziel hat.

Nach Angaben der Grünen-Abgeordneten Jutta Gerkan werden in Mecklenburg-Vorpommern derzeit rund 870 000 Schweine gehalten, die überwiegend unter quälerischen Bedingungen lebten. Auch deshalb unterstütze ihre Fraktion den Vorstoß aus Nordrhein-Westfalen, den laut Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vorgegebenen Platz von derzeit mindestens 0,75 Quadratmeter je Mastschwein in einem ersten Schritt um 30 Prozent zu erweitern.

Solche Vorgaben seien weniger fachlich als vielmehr ideologisch motiviert, konterte Backhaus. "Wir sind viel weiter als sie denken." Der Minister bekam dabei auch Unterstützung von der oppositionellen Linken. Der Abgeordnete Tack betonte, dass mehr Tierschutz nur mit den Tierhaltern umzusetzen sei und immer auch die wirtschaftliche Situation bedacht werden müsse. "Tierwohl und Bauernwohl gehören untrennbar zusammen", sagte Tack. Jede Platzerweiterung koste Geld, das Tierhalter am Markt aber angesichts des harten Preiskampfes kaum erlösen könnten.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung

Kommentare (1)

Wenn jede Platzerweiterung Geld kostet, das Tierhalter am Markt aber angesichts des harten Preiskampfes kaum erlösen könnten, dann wird es wohl weiter eng bleiben müssen für arme Schweine. Das kann auch der dümmste Bauern bemerken... dann wenn es ihm selbst so geht, wie seinen Tieren, denn die Rentablitätsmaßstäbe der Massentierhaltung haben schon längst die Altenheime erreicht. Die Frage ist, wie lange wir diesen Zustand noch erdulden wollen.