Umstrittene Razzia :

Richter wettert gegen den Drogen-Einsatz der Polizei

Erfolgreiche Operation oder peinliche Panne? Für ihren Einsatz auf einer der größten Hanfplantagen der vergangenen Jahre hagelt es Kritik an den Beamten.

Im Keller einer alten Kaserne in Löcknitz fand die Polizei im April eine der größten Hanfplantagen des Landes.
Abir Sultan/dpa Im Keller einer alten Kaserne in Löcknitz fand die Polizei im April eine der größten Hanfplantagen des Landes.

Die große Polizeiaktion auf dem ehemaligen Kasernengelände in Löcknitz sieht zunächst wie ein erfolgreicher Schlag gegen organisierte Drogenhändler aus: Rund 3000 Hanfpflanzen entdecken die Beamten Ende März auf dem Militärkomplex. Auf rund zwei Millionen Euro schätzen Experten den Wert der illegalen Pflanzen, aus denen Marihuana gewonnen wird. Zwei Tatverdächtige werden verhaftet. Doch plötzlich steht das Vorgehen der Polizei in einem anderen Licht. Die Beamten sollen überstürzt gehandelt und Spuren vernachlässigt haben. 

Betreiber weiter auf freiem Fuß

Die Kritik kommt aus dem Neubrandenburger Landgericht: Im Prozess gegen die beiden festgenommen Männer hat Richter Klaus Kabisch vergangene Woche den Beamten Polizei wenig Fingerspitzengefühl attestiert. „Bei den Ermittlungen ist nahezu alles schief gelaufen, was schief laufen konnte“, kritisiert Kabisch die Ermittler. Man hätte deutlich bessere Ergebnisse gehabt, wenn die Polizei ihre Arbeit vernünftig gemacht hätte, schiebt er nach. Die beiden Tatverdächtigen hatten sich lediglich als „kleine Lichter“ entpuppt und waren mit Bewährungsstrafen von jeweils zwei Jahren davon gekommen.

Die Betreiber der professionellen Drogenplantage dagegen sind nach wie vor auf freiem Fuß. Sie seien entwischt, weil die Polizei die Plantage nicht erst beobachtete, sondern gleich mit einem Spezialeinsatzkommando zuschlug und sonstigen Spuren nicht energisch nachging, erklärt Verteidiger Ulrich Knye.

Erfolgreiche Razzia oder Panneneinsatz?

Das Landeskriminalamt (LKA) weist die Vorwürfe energisch zurück. „Es war sofortiges Handeln geboten“, rechtfertigt ein LKA-Sprecher die Aktion. Die Beamten hätten von polnischer Seite kurzfristig einen vagen Tipp bekommen, dass auf dem Gelände Cannabis zwischengelagert beziehungsweise weiter transportiert werden sollte. „Das musste schnell und unmittelbar überprüft werden mit dem Ziel mutmaßliche Straftäter festzunehmen“, erklärt der LKA-Sprecher. Da das Gelände und die einzelnen Gebäude von außen nicht einsehbar waren, habe man sich für die Durchsuchung entschieden. „Auf richterlichten Beschluss und in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft.“ Es habe keinerlei Hinweise gegeben, dass dort eine der größten Drogenplantagen des Landes betrieben werde. „Sonst wäre auch eine andere Vorgehensweise denkbar gewesen“, so der LKA-Sprecher. Die Behörde ermittele nun weiter.

Bei der Staatsanwaltschaft hält man sich mit Aussagen zu den Ermittlungen zurück. „Die Kritik kommentiere ich nicht“, sagte Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler. Gegen das Urteil habe seine Behörde aber Revision eingelegt.

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