Justizvollzug:

Riesiger Krankenstand bei Gefängnis-Wärtern

Der schwere Job hinter Gittern macht den Wärtern und Betreuern zu schaffen – viele Tage Ausfall sind die Folge. Mehr Stellen könnten Abhilfe schaffen.

Dieser Job geht an die Konsistenz: In MV ist jeder Justizvollzugsbeamte durchschnittlich 37 Tage im Jahr krankgeschrieben – in Brandenburg sogar 53 Tage.
Thomas Frey Dieser Job geht an die Konsistenz: In MV ist jeder Justizvollzugsbeamte durchschnittlich 37 Tage im Jahr krankgeschrieben – in Brandenburg sogar 53 Tage.

Der Justizvollzug im Nordosten liegt auf der Krankenstation: In Mecklenburg-Vorpommern ist jeder Beamte in den Gefängnissen des Landes durchschnittlich 37 Tage im Jahr krankgeschrieben – in Brandenburg liegt der Schnitt sogar bei 53 Tagen. Das ergaben jetzt Anfragen des Nordkurier bei den beiden Justizministerien in Schwerin und Potsdam. Zum Vergleich: Deutschlandweit war jeder Arbeitnehmer im vergangenen Jahr 14,8 Tage lang krank, so Angaben der Techniker Krankenkasse.

Hoher Krankenstand führt zu zusätzlicher Belastung

Für den Landesvorsitzenden des Bundes der Strafvollzugsbediensteten in MV, Hans-Jürgen Papenfuß, ist die Sache klar: „Wie überall im Land wird Personal eingespart. Das geht zu Lasten der Mitarbeiter. Allein im Gefängnis Bützow benötigten wir ungefähr 20 zusätzliche Leute.“ Der Mann muss es wissen – in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bützow arbeitet der Psychologe als Psychotherapeut. Und die Katze beißt sich auch immer wieder in den Schwanz: Auf Grund des hohen Krankenstandes müssen die Beamten Wechselschichtdienst schieben – also zwei Wochen Früh-, zwei Wochen Spät- und zwei Wochen Nachtdienst. Die körperliche Umstellung sei ungeheuer schwer, sagt Papenfuß. Und das führe dann wiederum zu Erkrankungen.

Und natürlich sei auch die Arbeit mit den Gefangenen schwierig: „Das ist vergleichbar mit Erziehern, die auch einen hohen Krankenstand haben. Eine solche Arbeit schafft immer besondere Belastungen.“ Papenfuß macht sich indes keine Illusionen: Mehr Personal wird es wie bei der Polizei, die genau den gleichen hohen Krankenstand registriert, in MV nicht geben. „Dabei sind wir hier noch relativ gut dran“, sagt der Landesvorsitzende und verweist auf Brandenburg.

Sieben Tage werden berechnet

Im dortigen Justizministerium hat man erst mal keine Erklärung für den großen Unterschied zu MV. Aber: „Die hohe Anzahl der Krankentage ist auch durch die große Anzahl an Langzeitkranken sowie insbesondere die lange Dauer der Verfahren zur Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand bedingt“, sagt Ressortsprecherin Maria Strauß. Denn für die Justizvollzugsbeamten würden die gleichen gesetzlichen Vorschriften wie für den Polizeivollzugsdienst gelten – und das bedeute lange Dauer bei Amtsarztvorstellungen, bei der Erstellung von Gutachten und bei den verwaltungsgerichtlichen Verfahren.

Der Sprecher des Justizministeriums in Schwerin, Tilo Stolpe, rückt dann noch zurecht, dass die Berechnungsgrundlage für Beamte eine andere ist als für Otto Normalverbraucher: „Der Krankenstand wird auf sieben Tage die Woche berechnet, beim Angestellten und Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft sind fünf Tage die Woche die Basis.“

Kommentare (2)

Liebe Redaktion, ich bin schon sehr verwundert das Sie in Ihren Bericht die Gefangenen indirekt als "Tiere" bezeichnen.

Lieber Nutzer, wo lesen Sie das aus den Zeile heraus? Vielleicht bin ich betriebsblind, deswegen wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie diese These mit einem Textzitat unterlegen. Mit besten Grüßen, Oliver Wunder, Nordkurier-Redakiton