Waffen, Münzen und Perlen:

Rügens Tempelburg offenbart wahre Schätze

Völlig überraschend ist das Grabungsteam im Burgwall auf Pfostengruben einer Halle gestoßen. Hunderte Münzen und Perlen in Opfergruben legen nahe, dass dort Zeremonien durchgeführt wurden.

Archäologe und Projektleiter Fred Ruchhöft präsentiert eine Streitaxt aus der Wikingerzeit, die auf dem Gelände der Tempelburg am Kap Arkona gefunden wurde.
Stefan Sauer Archäologe und Projektleiter Fred Ruchhöft präsentiert eine Streitaxt aus der Wikingerzeit, die auf dem Gelände der Tempelburg am Kap Arkona gefunden wurde.

Nur einen halben Meter vom 40 Meter tiefen Abgrund entfernt sind Archäologen jetzt am Kap Arkona überraschend auf einen sensationellen Fund gestoßen. Bei der Rettungsgrabung im Innern des ehemaligen slawischen Burgwalls legten sie insgesamt sieben, jeweils einen Meter tiefe Pfostengruben frei, Reste eines bislang nicht bekannten großen Gebäudes. „Ersten Untersuchungen zufolge muss der wahrscheinlich auf Eichenpfosten ruhende Bau acht Meter breit und mindestens zwölf Meter lang gewesen sein und einst kultischen Handlungen gedient haben“, sagt der wissenschaftliche Projektleiter Fred Ruchhöft.

Aus den Opfergruben barg das Grabungsteam bislang jeweils mehr als 200 Münzen und Perlen, ein Hinweis darauf, dass es sich bei dem im 11. Jahrhundert zerstörten und möglicherweise bis zwölf Meter hohen Bau um ein Zeremoniengebäude oder eine Kulthalle gehandelt haben muss. Die Archäologen schließen allerdings aus, dass sie damit auf den legendären, um 1168 zerstörten Tempel gestoßen sind, in dem die Rügenslawen einst ihrer Gottheit Svantevit in Form einer Götzenfigur gehuldigt hatten. Die Reste dieses Tempels existierten längst nicht mehr, weil dessen Standort schon vor langer Zeit Opfer des Meeres geworden sei, sagte Ruchhöft.

Mecklenburg-Vorpommerns Chefarchäologe Detlef Jantzen wertete den Fund als großen Erkenntnisgewinn über die Geschichte des im Ostseeraum überaus wichtigen politischen und religiösen Slawen-Heiligtums. Denn die schiffsförmige Anlage der Pfostengruben lasse eindeutig eine skandinavische Bautradition erkennen, wie sie bislang nur bei Uppakra (Schweden) und im dänischen Tisso auf Seeland nachgewiesen worden sei.

 

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