Kehrtwende:

Scandlines will die P+S-Fähren doch haben

Die deutsch-dänische Reederei Scandlines will die zuvor verschmähten Fähren nun doch haben - allerdings zu einem deutlich niedrigeren Kaufpreis. Land und Banken als Sicherungsgläubiger müssen zustimmen. Und die zwei Schiffe müssen noch umgebaut werden - von einem anderen Unternehmen.

Stefan Sauer Die ehemalige Scandlines-Fähren "Berlin" (r) liegt am Ausrüstungskai der insolventen P+S-Werft Volkswerft.

Die deutsch-dänische Reederei Scandlines will die zuvor verschmähten Fähren der insolventen P+S-Werft nun doch haben. Scandlines habe ein Angebot für die beiden Schiffe abgegeben, sagte Unternehmenssprecherin Anette Ustrup Svendsen am Montag in Kopenhagen. Man hoffe auf eine möglichst schnelle Entscheidung der Insolvenzverwaltung. Scandlines will insgesamt 25 Millionen Euro für beide Schiffe bezahlen.

Auch die Insolvenzverwaltung bestätigte Gespräche. "Ich befinde mich in laufenden Verhandlungen mit der Reederei Scandlines - in Abstimmung mit den Sicherungsgläubigern von Land und Banken", sagte Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann. Ziel sei es, die Verhandlungen bald abzuschließen und das Ergebnis dem Gläubigerausschuss vorzulegen. Einen Termin für die nächste Sitzung des Gläubigerausschusses gibt es bislang noch nicht.

Der hohe Tiefgang ist weiter ein Problem

Scandlines war nach der Insolvenz der P+S-Werften im Herbst 2012 vom Vertrag zurückgetreten und hatte das mit dem zu hohen Tiefgang der Schiffe für die Strecke Rostock-Gedser begründet. Die Schiffe - für die ursprünglich ein Kaufpreis von 184 Millionen Euro vereinbart worden war - sollen nach einem möglichen Kauf laut Scandlines von einer anderen Werft fertiggestellt werden. "Der hohe Tiefgang ist weiter ein Problem", sagte Scandlines-Sprecherin Anette Ustrup Svendsen. Ziel sei es, den Tiefgang zu verringern, indem das Gewicht der Fähre minimiert werde.

Der Erlös aus dem Verkauf der Fähren steht den Sicherungsgläubigern zu. Land und Nord/LB müssen deshalb zustimmen, ob sie sich mit einem deutlich geringeren als den ursprünglich kalkulierten Kaufpreis zufriedengeben. Bislang hat das Land laut Finanzministerium nach der Pleite der P+S-Werften rund 280 Millionen Euro für fällige Bürgschaften gezahlt, um den Zinslauf der Bankenkredite zu stoppen. Der Erlös aus dem Verkauf der Fähren könnte die Verluste verringern. Das Wirtschaftsministerium wollte sich am Montag nicht zu dem Scandlines-Angebot äußern und verwies auf den Gläubigerausschuss.

Dies bedeutet noch nicht das Auftrags-Aus für Stralsund

Mit dem Kauf und Umbau der P+S-Fähren löst Scandlines ein aktuelles Problem: Der finnischen Reederei STX war es nicht gelungen, den alternativ geplanten Bau von zwei Schiffen für die Linie Rostock-Gedser vorzufinanzieren. "Wenn wir jetzt einen Neubauauftrag auslösen, könnten bis zur Fertigstellung zwei bis drei Jahre vergehen. Der Umbau der Stralsunder Fähren könnte innerhalb eines Jahres bewerkstelligt werden", sagte Ustrup Svendsen.

Auch wenn Scandlines die Fähren von einer anderen Werft fertig bauen lassen will, bedeutet dies noch nicht das Auftrags-Aus für Stralsund. Ende Oktober hatte der Geschäftsführer der Nordic-Werften, Jürgen Wollny, erklärt, den eingestellten Bau der Fähren weiterführen und diese einsatzfähig machen zu wollen. Nordic hatte ein Angebot zur Übernahme der Stralsunder Werft abgeben.
 

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung