Bürgerinitiative für mehr Schlager:

Schlagerfans entern NDR-Landesfunkhaus

Seit einem Jahr versuchen die Freunde deutscher Musik, sich mit ihren Wünschen Gehör zu verschaffen. An der Titelauswahl hat sich bisher nichts geändert. Jetzt kommt es zu einer Begegnung mit der Sender-Chefin.

Viele Schlagerfans sind mit dem Musik-Programm von NDR 1 Radio MV unzufrieden. Nun haben sie endlich ein Gespräch bei der Landesfunkhaus-Chefin.
Archiv Viele Schlagerfans sind mit dem Musik-Programm von NDR 1 Radio MV unzufrieden. Nun haben sie endlich ein Gespräch bei der Landesfunkhaus-Chefin.

Radiomacher Oliver Dunk muss nicht lange überlegen: „Am häufigsten wird bei uns Helene Fischer gespielt. Die Frau ist ein Phänomen.“ Am Titel „Atemlos“ komme niemand vorbei. Solche Titel würden auch die Musikfans in Mecklenburg-Vorpommern gern öfter hören. Als Geschäftsführer des Berliner Schlagersenders B2 kennt Dunk die Lage im Nordosten. „Es gibt kein landesweit verbreitetes Programm, das nur deutsche Titel spielt“, weiß er.

Das will Dunk mit seinem Privatradio ändern. Ein erster Schritt ist gemacht: Seit zwei Monaten sendet B2 im Netz von Kabel Deutschland und ist in der Region in Städten wie Pasewalk, Neustrelitz, Waren oder Greifswald teilweise verfügbar. „Wir wollten unbedingt Fuß fassen und haben deswegen Fakten geschaffen“, erklärt der Radiomacher. Er spricht von einer „sensationellen“ Reaktion auf den Sendestart über Kabel. Vor allem eines bewegt laut Dunk die Leute in ihren mehr als 500 Zuschriften: Wann lässt sich der Sender auch über Antenne empfangen?

Schlagerfans setzen sich für neuen Sender ein

Auch die Bürgerinitiative (BI) „Für eines besseres NDR 1 Radio MV“ hat sich mit der B2-Spitze schon in Verbindung gesetzt. Viele Mitglieder haben den Sender bei Fahrten in Berlin und Brandenburg schon im Autoradio gehört – und Appetit bekommen. Willi Behnick vom BI-Sprecherrat weiß, dass es gerade in der Region Neubrandenburg aber an freien Frequenzen für die Ausstrahlung hapert. Deswegen mache sich die Bürgerinitiative bei der zuständigen Medienanstalt dafür stark, den Sender B2 künftig bei der Frequenzvergabe zu berücksichtigen.

Ob das Schlagerprogramm aus der Hauptstadt irgendwann auch in der Region im Garten oder am Strand empfangen werden kann, bleibt ungewiss. Deswegen will die Bürgerinitiative weiter beim Norddeutschen Rundfunk trommeln, damit mehr deutschsprachige Musik beim öffentlich-rechtlichen Platzhirsch gespielt wird. Vor einem Jahr hatte sich die Bürgerinitiative dafür neu organisiert – und bisher praktisch nicht viel erreicht.

Lang ersehntes Gespräch mit dem NDR

„Die bringen nach wie vor höchstens zwei deutsche Stücke in der Stunde“, stützt sich Behnick auf Analysen von BI-Mitgliedern. Das sei bei einer Zahl von 10 bis 13 Titel viel zu wenig. „Mindestens die Hälfte sollte schon in deutscher Sprache kommen“, stellt er klar. Schließlich dürfte laut NDR-Staatsvertrag das Programm nicht einseitig auf eine Gruppe ausgerichtet sein. „Der wachsende Anteil älterer Hörer spiegelt sich bei der Musik aber nicht wider“, wiederholt er seine Kritik.

In den vergangenen Monaten hat die BI ihre Forderungen gegenüber der Landespolitik aufgemacht, Unterschriften gesammelt, den Petitionsausschuss des Landtages eingeschaltet sowie beim Bürgerbeauftragten vorgesprochen. Im Kern bekamen die Schlager-Rebellen von allen Seiten nur die eine Antwort zu hören: Es liege allein in der Programmhoheit des NDR, welche Musik gespielt werde.

Ganz ungehört ist bei den Sender-Oberen in Schwerin das Grummeln der Fans deutscher Musik nicht geblieben. Auf Vermittlung des Bürgerbeauftragten Matthias Crone kommt es Mittwoch zu einem Gespräch mit Landesfunkhaus-Chefin Elke Haferburg, zu dem sowohl Vertreter der Seniorenbeiräte als auch der Bürgerinitiative eingeladen sind. Willi Behnick kann eine gewisse Genugtuung angesichts dieses Termins nicht verhehlen: „Wir haben einen großen Stein angestoßen, der jetzt ins Rollen gekommen ist.“ 

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