Lehrlinge sind unzufrieden:

Schlechte Noten für die Ausbildung

Jeder dritte Lehrling gibt seinem Ausbildungsbetrieb allenfalls Noten zwischen 3 und 5. Die Berufsschulen kommen sogar noch schlechter weg. Überstunden stehen bei jedem vierten Lehrling auf der Tagesordnung. Der DGB hat 1540 Auszubildende im Land befragt.

In diesem Jahr gab es Noten von 3 bis 5 für die Ausbildungsberufe.
Stefan Sauer Noten von 3 bis 5 gab es in diesem Jahr für die Ausbildungsberufe.

Mehr als jeder dritte Auszubildende (34,1 Prozent) in Mecklenburg-Vorpommern benotet die fachliche Qualität seiner Ausbildung im Betrieb mit den Noten 3 bis 5 - befriedigend bis mangelhaft. Das geht aus dem Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Nord hervor, der am Dienstag in Schwerin vorgestellt wurde. Wie der stellvertretende Vorsitzende des DGB Nord, Ingo Schlüter, sagte, sollten damit der anhaltenden Klage von Arbeitgebern über schlechte Schulabgänger Argumente entgegengesetzt werden. In 15 Jahren werde es in Mecklenburg-Vorpommern 265 000 oder 25 Prozent Menschen im erwerbsfähigen Alter weniger geben als heute. Die Arbeitgeber könnten daher die "Publikumsbeschimpfung" nicht fortsetzen, sagte Schlüter.

1540 Jugendliche haben Noten verteilt

Für den Report wurden innerhalb eines Jahres bis zum Sommer 2014 im Land 1540 Jugendliche in 20 Ausbildungsberufen befragt, wie die Bezirksjugendsekretärin des DGB Nord, Jeanine Weigel, berichtete. Die fachliche Qualität der Berufsschulen kommt bei den Jugendlichen noch schlechter weg als die betriebliche: 44,3 Prozent geben den Schulen die Noten 3 bis 5.

Alarmierend sei, dass jeder vierte Lehrling mehr als 40 Stunden pro Woche arbeite, 6,3 Prozent sogar mehr als 45 Stunden. Die meisten Überstunden fielen im Hotel- und Gaststättengewerbe an. So gaben zwei Drittel der künftigen Köche und mehr als die Hälfte der Hotel- und Restaurantfachleute an, Überstunden leisten zu müssen. Im Durchschnitt bekomme jeder dritte Azubi keinen Ausgleich dafür, bei Köchen sogar mehr als jeder zweite. Gesetzlich erlaubt ist Mehrarbeit nur, wenn sie im Zusammenhang mit der Ausbildung steht.

Bessere Entlohnung dank Flächentarifvertrag

Bei der Ausbildungsvergütung stellte der DGB eine Verbesserung fest, die Schlüter zufolge auch auf den erkämpften Flächentarifvertrag im Hotel- und Gaststättenbereich zurückzuführen ist. Der Anteil derjenigen, die eine Vergütung zwischen 500 und 750 Euro monatlich erhielten, sei gestiegen. Allerdings liege das durchschnittliche Lehrlingsentgelt mit 558 Euro noch deutlich unter dem Bundesschnitt von 660 Euro. Mehr als 40 Prozent der Azubis würden weniger als 500 Euro erhalten.

Für die Motivation der Lehrlinge wertete es der DGB als schlecht, dass nur knapp jeder dritte wusste, dass er nach der Lehre vom Betrieb übernommen wird. Deutlich mehr als die Hälfte (57,5 Prozent) wusste es nicht, 10,9 Prozent hatten bereits eine Absage. Am häufigsten hatten Lehrlinge in kleinen Betrieben mit bis zu vier Mitarbeitern eine Zusage auf Übernahme. 

Sozialministerum soll bei Verstößen einschreiten

Der DGB fordert nach den Worten Schlüters, dass die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen kontrolliert und Ausbildungsmängel geahndet werden. Vor allem müsse endlich mit dem Jugendschutz ernstgemacht werden, sagte er und forderte das Sozialministerium auf, bei Verstößen einzuschreiten. Gesetzeswidrige Zustände gebe weiterhin vor allem im Hotel- und Gaststättenbereich. Weiter müsse es tarifliche Übernahmeregeln geben, um Jugendlichen eine Perspektive zu schaffen.

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