System zur Befeuerung von Windparks:

Schluss mit den nervenden „UFO-Lichtern“

Permanent blinkende Warnlichter an Windparks nerven nachts viele Anwohner. Jetzt hat eine Firma aus Brandenburg eine Lösung entwickelt.

Windkraftanlagen müssen ab einer Höhe von 100 Metern als Hindernis gekennzeichnet werden. Das von Enertrag entwickelte Radarsystem setzt bei Gefahr die Warnlichtbefeuerung des gesamten Windparks in Betrieb.
Enertrag Windkraftanlagen müssen ab einer Höhe von 100 Metern als Hindernis gekennzeichnet werden. Das von Enertrag entwickelte Radarsystem setzt bei Gefahr die Warnlichtbefeuerung des gesamten Windparks in Betrieb.

Wer nachts über die A 20 bei Altentreptow fährt, dem fallen sofort die weiträumig blinkenden Warnlichter der großen Windparks auf. Wie Positionslampen eines gigantischen UFOs strahlen die roten Lichter weiträumig in die Landschaft, um Piloten von sich nähernden Flugzeugen oder Hubschraubern vor den Hindernissen zu warnen. Anwohner der benachbarten Dörfer sind genervt. Viele kommen bei der permanenten Befeuerung kaum noch in den Schlaf – ein Grund, warum der Widerstand gegen die Windparks in Mecklenburg-Vorpommern wächst.

Zumindest gegen dieses Ärgernis ist jetzt Abhilfe möglich. Denn die Prenzlauer Firma Enertrag Systemtechnik hat eine Lösung gefunden, die eine nahezu dauerhafte Abschaltung ermöglicht und zugleich Sicherheit für den Luftverkehr garantiert. „Wir haben eine radargestützte Steuerung entwickelt, die es gestattet, die Lichter nur noch bei Bedarf anzuschalten, sagt Geschäftsführer Thomas Herrholz. Dazu würden an ausgewählten Masten eines Windparks Radarsensoren angebracht, die permanent elektromagnetische Impulse in die Umgebung sendeten. Nähere sich ein Flugobjekt in Flughöhen unter 600 Metern gefährlich nahe dem Park, dann würden die Signale von diesem reflektiert. Die zurückkommenden Impulse lösten daraufhin einen stillen Alarm aus, und die Warnlichter würden sofort eingeschaltet.

Bei den Test-Anlagen bleibt das Licht weitgehend aus

Das sogenannte Airspex-System bewährt sich inzwischen seit sechs Wochen in einem Pilot-Windpark in Schleswig-Holstein. Der von 500 Familien und Landeigentümern betriebene Windpark Ockholm und Langenhorn besteht aus 25 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 38 Megawatt und liefert seit drei Jahren ausreichend Strom für den Bedarf von 17  000 Haushalten. Bei bislang sechs Test-Anlagen bleibt das Blinklicht nun weitgehend abgeschaltet, um die Anwohner zu schonen.

Die Spannringe mit den Sensoren wurden mit großen Hubsteigern in 30 Metern Höhe an den Anlagentürmen installiert und anschließend getestet. Dabei ließen die Ingenieure immer wieder einen kleinen Ultraleichtflieger zu Testflügen starten, um Kurs auf den Windpark zu nehmen. Näherte sich das Luftfahrzeug auf vier Kilometer den Windrädern, dann schaltete sich die Befeuerung automatisch wieder ein. Dem Piloten blieben dann noch zehn Sekunden Reaktionszeit und 30 weitere Sekunden, um in einer weiten Flugkurve vom Windpark abzudrehen.

Pilotphase in Nordfriedland war erfolgreich

Das System wurde im vergangenen Jahr von der Deutschen Flugsicherung anerkannt und Ende März vom Land Schleswig-Holstein genehmigt. Kunden und Anwohner seien sehr zufrieden mit der bedarfsgerechten Befeuerung, konstatiert Herrholz. Die Erfahrungen zeigten, dass die Lichter mit der Nachrüstung jetzt zu 98 Prozent der Betriebszeit aus seien.

Nach der erfolgreichen Pilotphase in Nordfriesland fordert jetzt der Husumer Bundestagsabgeordnete Ingbert Liebing (CDU) die automatische Nachtkennzeichnung bundesweit zum Regelfall zu machen. Er halte das System für extrem wichtig, sagt er. Damit würden nicht nur berechtigte Kritiken von Bürgern ernst genommen und störende Belästigungen abgebaut, sondern auch Voraussetzungen für den Bau höherer und energieeffizienterer Windkraftanlagen geschaffen.

Windenergieanlegen müssen in Deutschland als Luftfahrthindernis gekennzeichnet werden, sobald sie eine Gesamthöhe von 100 Metern erreichen. Pro Windpark sind nach Enertrag-Angaben mindestens vier Sensoren erforderlich. Für einen Windpark mit 90 Anlagen werden für einen sicheren Rundumschutz zwölf Radarsysteme im Gesamtpreis von rund
2,5 Millionen Euro benötigt. Die jährlichen Wartungskosten schlagen mit etwa 2500 Euro pro Sensor zu Buche.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung