Interessante Untersuchung:

Schüler in MV sind besser als ihr Ruf

Die Quote der Jugendlichen ohne Schulabschluss hat sich von 2008 zu 2014 beinahe halbiert. Der Bildungsminister trumpft nun sogar noch mir einer anderen guten Nachricht auf. Zu Recht?

Schon in Klasse 1 werden die Grundlagen gelegt. Zu DDR-Zeiten habe es in der Grundschule elf Stunden Deutsch pro Woche gegeben, heute seien es sechs, ist ein Vorwurf, warum viele Schüler später Probleme mit dem Fach haben.
Jens Kalaene Schon in Klasse 1 werden die Grundlagen gelegt. Zu DDR-Zeiten habe es in der Grundschule elf Stunden Deutsch pro Woche gegeben, heute seien es sechs, ist ein Vorwurf, warum viele Schüler später Probleme mit dem Fach haben.

Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den Bundesländern, die jungen Leuten den Schulabschluss offenbar schwerer machen als nötig, während andere ihn geradezu verschenken – das geht aus einer Untersuchung der Kultusministerkonferenz hervor. Ergebnis: Nach neun Jahren Schulpflicht zeigt das Abschlusszeugnis oft nicht, ob ein Schüler tatsächlich fit ist für die Berufsreife.

Im Auftrag der Länder hatte das Forschungsinstitut IQB zunächst definiert, was Jugendliche können sollten, um den Schulabschluss – je nach Schulsystem Hauptschulabschluss oder Berufsreife genannt – zu erlangen. Diese Mindeststandards fragten die Bildungsforscher bei 50.000 Schülern in allen Bundesländern ab und verglichen danach, wie sich das Ergebnis zur jeweiligen Schulabbrecherquote aus dem Jahre 2013 verhält. Von 2500 getesteten Mädchen und Jungen in Mecklenburg-Vorpommern haben nur 2,8 Prozent die Mindeststandards verpasst, doch mehr als dreimal so viele, nämlich 10,3 Prozent, schafften seinerzeit keine Berufsreife, wie Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) darlegte.

Ähnlich verhielt es sich in andern ostdeutschen Ländern, genau umgekehrt hingegen in Nordrhein-Westfalen und den Stadtstaaten. So waren in der Hansestadt Bremen zwölf Prozent der Schülerschaft nicht in der Lage, die Mindeststandards zu erfüllen, während die offizielle Schulabbrecherquote nur bei 7,3 Prozent lag. Heißt: Auf der einen Seite sind die Schüler besser, auf der anderen schlechter, als es die Zeugnisse zeigen. Lediglich im Bildungsmusterland Bayern ließen sich keinerlei Abweichungen feststellen.

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