MVgida-Demo in Stralsund:

Schulterschluss zwischen Islamkritikern und NPD

Auch beim dritten Auftritt von MVgida stellten Vertreter der rechtsextremen Szene einen großen Teil der Anhänger. Klar ist: Der braune Spuk wird den Nordosten noch eine ganze Weile in Schach halten.

600 Menschen gingen laut Polizei am Montag im Namen von MVgida auf die Straßen von Stralsund.
Stefan Sauer 600 Menschen gingen laut Polizei am Montag im Namen von MVgida auf die Straßen von Stralsund.

Die Gruppe MVgida schafft es nicht, das Image einer rechtsextremen Tarnveranstaltung abzulegen. Davon konnten sich Augenzeugen der Demonstration am Montagabend in Stralsund überzeugen. Nachdem Experten bereits in der vergangenen Woche auf die Unterwanderung des lokalen Pegia-Ablegers durch Rechtsextreme aufmerksam gemacht hatten, bestätigte sich das Bild am Montag erneut.

So befanden sich unter den laut Polizei rund 600 Anhängern von MVgida zahlreiche Rechtsextreme. Die Bekanntesten von ihnen stellten die NPD-Vertreter Udo Pastörs, Tino Müller oder Michael Andrejewski, allesamt Mitglieder der Landtagsfraktion. Auch zahlreiche Mitarbeiter der Fraktion reihten sich in die Demo ein. Insgesamt dürften Vertreter der organisierten und rechtsextremen Szene mindestens ein Drittel aller Demonstranten ausgemacht haben.

Neben der Zusammensetzung des Zuges ließen auch Parolen und Redebeiträge das Bild einer lediglich gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ und islamistischen Terror demonstrierenden Gruppe rasch zur Makulatur werden. So behauptete eine Vertreterin von MVgida bereits in der Auftaktrede, dass sich in Deutschland immer mehr Menschen „fremd im eigenen Land fühlten“ und gab daran den „Ausländern“ die Schuld. Von einer „Menschenpflicht“ auf Asyl oder einer geordneten Zuwanderung nach dem Vorbild der Schweiz oder Kanadas, wie im Programmpapier der Pegida-Bewegung offiziell gefordert, war in Stralsund nichts zu hören.

Wurden alle Anmeldungen für Mahnwachen berücktsichtigt?

Ein zweiter Redner der MVgida widmete sich der sogenannten Lügenpresse. Begleitet vom lautstarken Applaus seiner Zuhörer bezeichnete ein Redner sämtliche Journalisten als „bezahlte Propagandisten“. Ungeachtet der Tatsache, dass mit Lutz Bachmann und Kathrin Oertel zwei führende Vertreter der Pegida-Bewegung am Montag in Dresden eine Pressekonferenz gegeben hatte, titulierte er die Medien in Deutschland pauschal als „gleichgeschaltete Lügenpresse“. Neben der Parole „Wir sind das Volk“ skandierten die Demonstranten immer wieder: „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“.

Während die gut 500 eingesetzten Polizeibeamten für eine weiträumige Trennung zwischen MVgida-Gegnern und Anhängern sorgte, gab es Kritik am Handeln der Versammlungsbehörden. Aus dem Umfeld des Bündnisses „Stralsund Nazifrei“ wurde der Vorwurf laut, nicht alle Anmeldungen für Mahnwachen seien bearbeitet worden. Eine am Sonnabend per E-Mail an die Veranstaltungsbehörde geschickte Anmeldung sei in deren Spam-Ordner gelandet, woraufhin die Mahnwache nicht stattfinden konnte. „Ein klarer Verstoß gegen die Versammlungsfreiheit“, so das Bündnis. Ein Sprecher des Landkreises Vorpommern-Rügen erklärte, der Vorfall werde aufgeklärt, für Auskünfte dazu sei es noch zu früh.

Nächste MVgida-Demo ist bereits angemeldet

Nach Angaben der Polizei wird zudem gegen rund 60 Teilnehmer einer geräumten Sitzblockade wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ermittelt. Gegen 70 Menschen besteht der Verdacht der unerlaubten Ansammlung. Sie hatten nach Einschätzung der Polizei die Absicht, die MVgida-Demonstration bei einer möglichen Richtungsänderung zu verhindern.

Klarheit herrscht jetzt auch darüber, wie es mit MVgida weiter geht. Am Dienstagnachmittag kündigte die Gruppe an, am kommenden Montag in Schwerin demonstrieren zu wollen. Vom Treffpunkt an der Siegessäule aus soll es erneut einen Marsch durch die Innenstadt geben. Zudem wurden sieben weitere Abendspaziergänge in Schwerin angekündigt. Laut Informationen des Nordkurier wurden alle Demonstrationen von ein und derselben Person angemeldet. Der aus Stralsund stammende Mann hatte auch die jüngsten Demonstrationen von MVgida in seiner Heimatstadt angemeldet.

Weiterführende Links

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung