Fischbrötchenprozess ist vorbei:

Selbst vorm Urteilsspruch noch ein Eklat

Mit mehrjährigen Haftstrafen ging die Neuauflage im Prozess zum sogenannten Stralsunder Fischbrötchenkrieg zu Ende. Selbst während des Plädoyers kam es zu tumultartigen Szenen im Gerichtsaal.

Lukrative Branche: Mindestens 200 000 Euro verdient man mit einem Fischbrötchenkutter im Jahr, sagte ein Zeuge.
Stefan Sauer Lukrative Branche: Mindestens 200 000 Euro verdient man mit einem Fischbrötchenkutter im Jahr, sagte ein Zeuge.

Die Beweislage war lange Zeit dünn. Doch am Ende hegten die Richter keine Zweifel mehr an der Täterschaft der beiden Angeklagten im Prozess zum sogenannten Stralsunder Fischbrötchenkrieg. Wegen des brutalen Überfalls auf den Vize-Oberbürgermeister von Stralsund, Dieter Hartlieb, im Sommer 2012 verurteilte das Landgericht den 31-jährigen Anklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und einem Monat Freiheitsstrafe. Zudem muss der Malchiner 2500 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen.

Nur er käme als Täter für den brutalen Überfall infrage, urteilte der Vorsitzende Richter. Das belegten nicht nur Aussagen des durchaus umstrittenen Hauptbelastungszeugens. Das Alibi seiner Mutter, die ausgesagt hatte, dass ihr Sohn an jenem Morgen bei ihr gewesen sei, wertete das Gericht dagegen als unglaubwürdig.

Der 36-jährige Hauptangeklagte, der laut Staatsanwaltschaft im Auftrag eines anderen Fischbrötchenverkäufers agiert haben soll, konnte dagegen nicht als Anstifter für den Überfall überführt werden. Zwar deute vieles darauf hin, eindeutig beweisbar sei es aber nicht.

Hauptbelastungszeuge bis zum Ende umstritten

Wie bereits beim ersten Prozess vor zwei Jahren blieben somit die genauen Hintergründe und Initiatoren erneut im Dunklen. Allerdings sah es das Gericht als erwiesen an, dass der aus Demmin stammende Angeklagte hinter dem Sprengstoffpaket steckte, das im August 2012 im Bauamt deponiert worden war. Es sei auch unzweifelhaft, dass die Großmutter des Angeklagten einen an Hartlieb gerichteten Drohbrief geschrieben habe. Der vorbestrafte Mann wurde unter Berücksichtigung eines weiteren Urteils des Landgerichts Neubrandenburg aus dem Jahre 2013 zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt.

Mit diesem Urteil entsprach das Gericht weitgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft. Unterschiedlich bewertet wurde von den Prozessgegnern vor allem, inwiefern man den Aussagen eines umstrittenen Hauptbelastungszeugen glauben konnte, der selbst mehrfach vorbestraft ist und aus seiner Erinnerung wiederholt unterschiedliche Angaben zum Tathergang gemacht hatte.

Zu einem neuerlichen Eklat in dem stark emotional geprägten Prozess kam es auch am letzten Verhandlungstag, als der Staatsanwalt während seines Plädoyers von der Gegenseite mehrfach unterbrochen wurde und Verteidiger Johannes Eisenberg mit Türenknallen den Gerichtssaal verließ. Kuhlmann sprach von einem schäbigen Auftreten der Verteidigung, die übliche Grenzen überschritten habe. Es sei entwürdigend gewesen, wie die Anwälte den Vorsitzenden Richter beleidigt und ihm sogar Nötigung vorgeworfen hätten.

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