13 500 Euro für ein Kartenspiel:

So wird unser Geld verprasst

Nicht nur ein Luxus-Kartenspiel des Umweltministeriums kostet den Steuerzahler hohe Summen, sondern auch ein Radweg, der im Nichts endet. Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Es gibt noch verrücktere Beispiele.

Kein Herzbube mehr: Till Backhaus.
© bpstocks - Fotolia.com Kein Herzbube mehr: Till Backhaus.

Wie spielerisch die öffentliche Hand das Geld der Steuerzahler ausgibt, zeigt eindrucksvoll das Umweltministerium. Im Rahmen seiner Öffentlichkeitsarbeit ließ es für mehr als 13 500 Euro ein Quintett-Kartenspiel für die spezifische Flora und Fauna Mecklenburg-Vorpommerns anfertigen. Doch sei es schlichtweg keine Aufgabe eines Ministeriums, Kartenspiele zu produzieren, zumal Umweltverbände und kommerzielle Anbieter ähnliche Spiele anbieten, so die Kritik. Das Ministerium soll übrigens damit liebäugeln, einen Nachdruck von 3000 Exemplaren in Auftrag zu geben.

Auch ein seit drei Jahren ungenutztes neues OP-Zentrum steht auf der Liste des Steuerzahlerbundes (BdS) zur Verschwendung öffentlicher Mittel durch schlecht geplante, fragwürdige oder skurrile Projekte. Sie ist wieder lang.

So musste schon zehn Jahre nach ihrer Errichtung die Pinakothek der Moderne in München wieder zumachen. In der Rotunde des Museumsbaus hatten sich Risse gebildet. Der Pfusch am Bau wurde teuer: Die Kosten für die Instandsetzung beliefen sich auf 750 000 Euro. Dazu kamen für den Staat noch einmal 250 000 Euro, weil das Museum wegen der Sanierung acht Monate lang geschlossen blieb und als Ersatz direkt nebenan ein temporärer Ausstellungspavillon errichtet wurde.

Elbphilharmonie: aus 77 Millionen wurden 800 Millionen

Die hessische Landesvertretung in Brüssel fiel besonders groß und teuer aus. Ausgeschrieben waren knapp 4700 Quadratmeter. Warum jetzt 6116 Quadratmeter notwendig wurden, nannte der Steuerzahlerbund „nicht nachvollziehbar“. Die Vertretung schlage abzüglich angenommener Untervermietungen in den nächsten 30 Jahren mit jährlich 2,4 Millionen Euro zu Buche.

In Mainz wurde an einer Bahnhaltestelle namens „Waggonfabrik“ für etwa 340 000 Euro eine Fußgängerbrücke saniert. Die ohnehin nicht barrierefreie Brücke hätte für rund 140 000 Euro auch ersatzlos abgerissen werden können. Denn wer nur drei bis vier Gehminuten investiert, kann die Straße auch über einen Fußgängertunnel erreichen.

Auch die Hamburger Elbphilharmonie hat es erneut in das Schwarzbuch geschafft. Wie schon 2012 zählt das Konzerthaus, dessen ursprünglich auf rund
77 Millionen Euro kalkulierten Kosten inzwischen auf etwa 800 Millionen Euro gestiegen sind, zu jenen Fällen, mit denen der Bund der Steuerzahler „einen verschwenderischen Umgang mit Steuern“ dokumentiert. „Wenn man bedenkt, wie sonst in der Hamburger Kulturszene um jeden Euro gefeilscht werden muss, ist dies umso beschämender“, erklärte Hamburgs Chef des Steuerzahlerbundes, Lorenz Palte.

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