Aus nach sechs Legislaturperioden:

Sozi-Urgestein Hacker packt seine Koffer

Während Kanzlerin Angela Merkel bei der Wahlparty flott mit den Hüften wippte, muss sich Hans-Joachim Hacker aus dem Parlament verabschieden. Sechs Legislaturperioden hat der Mecklenburger Sozial­demokrat dort verbracht.

SPD-Bundestagsabgeordneter Hans-Joachim Hacker (rechts) hat fast ein Vierteljahrhundert große Politik gemacht und neben Peer Steinbrück auch manch anderen Spitzenpolitiker in seinem Schweriner Wahlkreis herumgeführt
Jens Büttner SPD-Bundestagsabgeordneter Hans-Joachim Hacker (rechts) hat fast ein Vierteljahrhundert große Politik gemacht und neben Peer Steinbrück auch manch anderen Spitzenpolitiker in seinem Schweriner Wahlkreis herumgeführt

23 Jahre – erst in der frei gewählten Volkskammer, dann im Bundestag. Jetzt ist Schluss: Der dienstälteste Bundestagsabgeordnete der SPD aus Mecklenburg-Vorpommern, Hans-Joachim Hacker, hat den angestrebten Wiedereinzug verpasst. Und er findet deutliche Worte: „Damit ist meine politische Karriere zu Ende. Wenn der Landesvorstand mich auf Bundesebene nicht haben will, dann erst recht nicht auf Landesebene.“ Der Sozialdemokrat spielt damit auf den vierten Landes-Listenplatz an, der ihm bei dem nun amtlich-mageren SPD-Ergebnis keine Chance gelassen hat.

Auch sein Kampf um ein Direktmandat war vergeblich – der CDU-Politiker Dietrich Monstadt hat den knapp 64-Jährigen im Wahlkreis Schwerin – Ludwigslust-Parchim – Nordwestmecklenburg klar abgehängt. „Ich hätte fünf Mal so viele Plakate aufhängen können und zehn Mal so viele Flyer verteilen. Das hätte alles nichts genutzt“, gibt sich Hacker realistisch.

Ohne einen Plan B

Überraschend sei die Niederlage für ihn nicht gekommen: „Ich bin ja nicht blauäugig. Die SPD im Land hätte 25 Prozent erreichen müssen, damit ich wieder einziehen kann.“ Gelandet sind die Sozialdemokarten aber bei 17,8 Prozent – noch hinter der Linkspartei. Was nun werden soll? „Ich weiß es noch nicht. Ich habe keinen Plan B gemacht, weil ich um das Direktmandat gekämpft habe.“ Denn das war Hackers Plan – noch eine Legislaturperiode in Berlin.

Insgesamt sechs hat er nun hinter sich. „Besonders prägend waren die Monate in der Volkskammer. Dort haben wir die deutsche Einheit mitgestaltet – ich besonders im Bereich der offenen Vermögensfragen und der Wiedergutmachung. Und auch die letzten Jahre waren interessant: Ich konnte zum Ausbau der A 14 beitragen.“ Wichtig, sagt Hacker, sei ihm sowohl in Bonn und dann auch in Berlin immer gewesen, der Abgeordnete aus dem Wahlkreis zu sein. Zu helfen, wo er helfen konnte, aber auch Nein zu sagen, wenn das nicht der Fall war: „Auch das muss manchmal sein.“ Gestört im großen Politbetrieb hätten ihn hingegen unsachliche Forderungen und „wenn Leute Dinge behaupten, die so nicht stimmen.“

SPD müsse sich teuer verkaufen

Und nun? Trotzdem große Koalition von CDU/CSU und SPD? Das werde ganz schwierig, sagt Hacker. „Es gibt ein großes Risiko für die SPD. Dann sind wir ein noch kleinerer Partner als 2005 bis 2009. Die Kanzlerin wird Erfolge für sich verbuchen, während Negativmeldungen den Sozialdemokraten angekreidet werden.“ Letztlich bleibe aber nur Schwarz-Rot oder Schwarz-Grün. Dann gehe es darum, dass sich die SPD sehr teuer verkaufe: Punkte wie der Mindestlohn, die Regulierung von Zeit- und Leiharbeit und die Angleichung der Ostrenten müssten da durchgesetzt werden. „Sonst wird es nichts mit einer großen Koalition.“ An der wird Hans-Joachim Hacker nach 23 Jahren nicht mehr beteiligt sein.

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