NSU-Prozess:

Spur der Rechtsterroristen führt auch nach Greifswald

Im Brandschutt der Fluchtwohnung in Zwickau fanden Ermittler stapelweise Notizen und Karten. Auf denen sind nicht nur Tatorte verzeichnet.

Als mutmaßliche Mittäterin muss sich Beate Zschäpe (l., mit Anwalt Mathias Grasel) vor Gericht verantworten.
Peter Kneffel Als mutmaßliche Mittäterin muss sich Beate Zschäpe (l., mit Anwalt Mathias Grasel) vor Gericht verantworten.

Stadtpläne und Ausspähnotizen aus den Hinterlassenschaften des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ geben den Ermittlungsbehörden bis heute Rätsel auf. Das sagte eine Polizistin des Bundeskriminalamtes am Donnerstag als Zeugin im Münchner NSU-Prozess.

Als Beispiele zeigte sie im Gerichtssaal Karten mehrerer Städte, darunter Greifswald, Chemnitz, Dortmund, Ludwigsburg und Stuttgart. Darauf waren deutlich Kreuze zu sehen, mit denen einzelne Plätze markiert waren. An einem dieser Orte befinde sich eine Geflügelfarm, sagte die Beamtin, an anderen Eisdielen oder Kleingartenkolonien. Sie sei selbst dort hingefahren und habe sich die Orte angesehen, aber keinen Bezug zu der rechtsterroristischen Gruppe finden können.

Parteibüros auf der Liste der Terroristen

Bei anderen Notizen sei dagegen ein Zusammenhang zu erkennen. An mehreren der markierten Adressen befänden sich Büros von Parteien, Politikern oder der Sitz islamischer oder türkischer Vereine. Deren Daten hätten sich auch auf Festplatten des NSU gefunden, sagte die Zeugin.

Auf einem Stadtplan von Dortmund sei handschriftlich vermerkt gewesen, dass es ein Wohngebiet wie in Köln-Mülheim sei. Das könne eine Anspielung auf die Kölner Keupstraße sein, die von türkischen Zuwanderern geprägt sei und an der 2004 eine Nagelbombe explodierte, die dem NSU zugeschrieben wird.

Anschlagsziele in Kiel ausgespäht

Mehrere Markierungen befänden sich in unmittelbarer Nähe zur Dortmunder Malinckrodtstraße, wo am 4. April 2006 der Kioskbesitzer Mehmet Kubasik mutmaßlich von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos erschossen wurde. Das könne bedeuten, dass die Täter den Tatort vorher gründlich ausgespäht haben, sagte die Polizistin.

Nach Darstellung eines pensionierten Ermittlers sollen die mutmaßlichen Terroristen auch Anschlagsziele in Kiel ausgespäht haben. Der ehemalige Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes verwies im Prozess auf Stadtpläne, auf denen islamische, türkische und christliche Einrichtungen eingezeichnet seien. Auch ein Parteibüro der CDU sei darunter. Straftaten des NSU in Kiel sind bisher nicht bekannt. Im Münchner NSU-Prozess sind zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge angeklagt. Als mutmaßliche Mittäterin muss sich die Hauptangeklagte Beate Zschäpe verantworten.

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