Plädoyers im Drogenprozess:

Staatsanwalt fordert im Rocker-Prozess lange Strafen

Über ein Jahr dauert der Prozess gegen vier junge Männer aus dem Rockermillieu bereits. Jetzt biegt er langsam in die Zielgerade ein.

Auch nach 14 Monaten bleiben die Sicherheitsvorkehrungen hoch, wenn die Ex-Rocker den Verhandlungssaal betreten müssen.
Udo Roll Auch nach 14 Monaten bleiben die Sicherheitsvorkehrungen hoch, wenn die Ex-Rocker den Verhandlungssaal betreten müssen.

An der Sonnenfinsternis kommt auch die Justiz nicht vorbei. Als es im Saal 10 des Neubrandenburger Landgerichtes dunkler wird und ein Verteidiger das Licht einschaltet, dämmert es dem Vorsitzenden Richter. „Wollen wir uns das kurz anschauen“, fragt Richter Carl Christian Deutsch in die Runde. Die Verteidiger haben nichts dagegen.

Der Staatsanwalt muss natürlich auch noch zustimmen. Der Anklagevertreter hebt zu einem eher scherzhaften Einspruch an: „Wenn Sie sich lieber ein physikalisches Phänomen anschauen wollen als mein ...“. Abgelehnt. Die Sitzung wird per richterlicher Anordnung für eine halbe Stunde unterbrochen. Nach 14 Monaten Verhandlung kommt es auf 30 Minuten zusätzlich auch nicht mehr an. Einer der Verteidiger hat sogar eine Spiegelreflexkamera dabei.

Nach dem Naturschauspiel am Firmament steht der Staatsanwaltschaft wieder im Mittelpunkt des Geschehens. Nach über einem Jahr der Beweisaufnahme hat nun die letzte Phase im Rocker-Drogen-Prozess gegen vier junge Männer begonnen, zu denen auch der damalige Präsident und dessen Vize aus dem Rockerclub Mongols MC Neubrandenburg gehören. 

Geldschwierigkeiten als Motiv für den Handel?

Das Quartett soll mehrfach Drogen, unter anderem Marihuana, aus der Bremer Rockerszene beschafft und 2013 in der Region Neubrandenburg verkauft haben. Die Verbindung wurde durch einen Informanten der Polizei und monatelange Telefonüberwachung aufgedeckt. Welche Strafe wird die Staatsanwaltschaft fordern – das ist die entscheidende Frage an diesem Verhandlungstag. Einen ersten Hinweis liefert der Anklagevertreter gleich zu Beginn seines Plädoyers: Er geht von banden- und gewerbsmäßigen Drogenhandel in nicht geringen Mengen aus. Das Gesetz sieht dafür Freiheitsstrafen zwischen
5 und 15 Jahren vor.

Doch wie wird er den Vorwurf beweisen – immerhin wurden die Angeklagten nie mit größeren Mengen Drogen erwischt? „Wir haben die Angaben eines bewährten Informanten der Polizei“, erklärt der Staatsanwalt. Die Verteidiger hatten immer wieder Zweifel an der Glaubhaftigkeit und an der Existenz des Mannes geäußert. „Es gibt keinen vernünftigen Zweifel, dass er existiert“, betont der Vertreter und verweist auf Erklärungen der Polizei und des Innenministeriums.

Als weiteren Beweis führt er die Aussage des damaligen Vizepräsidenten an, der während der Überführungsfahrt in die Justizvollzugsanstalt einem persönlich bekannten Polizisten von den Drogengeschäften mit den Bremern Rockern erzählt habe. Zu guter Letzt verweist der Staatsanwalt auf die Schilderungen von Zeugen, Marihuana von den Angeklagten gekauft zu haben.

Mongols-Präsident soll sieben Jahre sitzen

Belastendes Material hat der Staatsanwaltschaft auch in den zahlreichen abgehörten Telefonaten entdeckt. „Die Telefonate wurden konspirativ geführt, wie wir es von Drogen- und Dealerkreisen kennen“, erklärt er. Es habe gefestigte Strukturen zwischen beiden Gruppen gewesen. „In Neubrandenburg konnte nix passieren, ohne den Segen aus Bremen“, betont der Staatsanwalt. Hauptmotiv für die Drogengeschäfte seien finanzielle Schwierigkeiten bei allen vier Angeklagten gewesen. „Diese Beweise reichen aus“, stellt der Staatsanwaltschaft abschließend fest. Für den ehemaligen Mongols-Präsidenten fordert er eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren.

Für die drei anderen Angeklagten verlangt er Haftstrafen von fünf, sechs und sechseinhalb Jahren. Da hat niemand mehr Lust auf Scherze. „Machen wir für heute Schluss“, beendet Deutsch die Verhandlung kurz und knapp.

Der Prozess wird am 8. und 10. April mit den Plädoyers der insgesamt sieben Verteidigern fortgesetzt. Das Urteil wird am 16. April erwartet.

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