Kommentar zum "Rabauken-Jäger"-Urteil:

Staatsanwalt zeigt Nordkurier-Chefredakteur an

Das "Rabauken-Jäger"-Urteil des Pasewalker Amtsgerichts sorgt weiter für Streit um die Presse- und Meinungsfreiheit. Dabei war das Verfahren bereits zweimal eingestellt worden.

Screenshot Twitter-Kommentar von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann. Der Fall sorgt bundesweit für Schlagzeilen.

Wegen seines Kommentars zum Urteil des Amtsgerichts Pasewalk gegen einen Redakteur des Nordkurier sieht sich jetzt auch der Chefredakteur unserer Zeitung mit einer Anzeige konfrontiert. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg bei der Gerichtsverhandlung hat „wegen der auf ihn bezogenen Äußerungen ... Strafantrag wegen Beleidigung“ gegen Lutz Schumacher gestellt, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Gerd Zeisler, am Freitag. Unter der Überschrift „Rabauken in Richter-Roben“ hatte Schumacher das Urteil als Angriff auf die Pressefreiheit gewertet.

Schumacher wies die neuerlichen Vorwürfe der Ermittlungsbehörde zurück. „Die Staatsanwaltschaft entlarvt sich in ihrer Pressemitteilung selbst. Sie wollte offenbar gar nicht nur gegen das Wort ‚Rabauke‘ vorgehen, sondern in Missachtung unseres Grundgesetzes den gesamten Nordkurier-Artikel zensieren“, erklärte er. Dass sie jetzt auch noch gegen den Chefredakteur einer deutschen Tageszeitung wegen eines Kommentars ermittele, spreche für sich. „Solche Juristen sind Feinde der Meinungs- und Pressefreiheit“, sagte Schumacher.

Oberstaatsanwalt Zeisler verteidigte die Handlungsweise seiner Behörde in dem Verfahren. Der Tatvorwurf stütze sich nicht allein auf die Bezeichnung „Rabauken-Jäger“. Entscheidend sei gewesen, dass der Jäger aufgrund der Berichterstattung identifizierbar gewesen sei.

Allerdings hatte die Staatsanwaltschaft das Verfahren vor dem Erlassen des Strafbefehls bereits zweimal eingestellt – im Juli und Dezember 2014, so die Generalstaatsanwaltschaft, die damit eine Information des Nordkurier bestätigte. Der betreffende Jäger hatte aber jeweils Beschwerde gegen die Entscheidung der Staatsanwaltschaft eingelegt. „Der Leitende Oberstaatsanwalt in Neubrandenburg hat die Vorgänge sodann dem Generalstaatsanwalt vorgelegt. Nach Prüfung der Sach- und Rechtslage ist er am 2. Februar 2015 gebeten worden, die Ermittlungen hinsichtlich der Äußerungen im Artikel vom 3. Juni 2014 wieder aufzunehmen“, erklärte eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft. Den Grund für die Intervention der übergeordneten Behörde ließ sie offen. Man könne aber nicht davon sprechen, dass die Generalstaatsanwaltschaft Druck ausgeübt habe, erklärte die Sprecherin.

Der verurteilte Nordkurier-Redakteur hatte Anfang Juni 2014 unter der Überschrift „Rabauken-Jäger erhitzt die Gemüter“ darüber berichtet, dass ein Ueckermünder Jäger ein verendetes Reh an der Anhängerkupplung seines Autos über die Bundesstraße 109 geschleift hatte. Im Mai dieses Jahres verurteilte das Amtsgericht Pasewalk den Redakteur zu einer Geldstrafe
von 1000 Euro.

"Willkommen im Obrigkeitsstaat": Stellungnahme von Chefredakteur Lutz Schumacher

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Kommentare (10)

Es ist längst an der Zeit das dem Nord Kurier Einhalt geboten wird. Die Redaktoren der Nachfolger Freien Erde übertreiben ja wirklich im großen still. Ich selbst bin ja schon in diesem einseitig berichtendem Blatt verunglimpft worden . Daher werde ich selbst die Berichterstattung über meine Person Prüfen lassen und eventuelle rechtliche schritte einleiten.

Nur zur Einordnung des Kommentars einige Lektüre-Tipps: http://www.nordkurier.de/pasewalk/waffenfund-auf-dem-gelaende-eines-gemeindevertreters-2413221102.html http://www.bz-berlin.de/berlin/friedrichshain-kreuzberg/nazi-verdacht-gegen-volkskammer-chef

Wessen Nachfolger sind Sie? Bzw. wollen Sie sein? Lächerlich.....

@NB Dietrich Das Statement kann ich jetzt nicht einordnen!

Der Kommentar galt @FRANK.DREBLOW

Ich zeige mich an: Ich bin ein Rabauke. Amtsgericht Pasewalk, übernehmen Sie!

Unter dem Link ist der gesamte Vorgang noch einmal sehr gut von dem Journalisten und Dozenten Paul-Josef Raue zusammengefasst: http://www.journalismus-handbuch.de/pressefreiheit-mit-rabauken-jagdszenen-aus-mecklenburg-6674.html

Anbei noch zwei Kommentare, die uns via Mail erreichten: Zum Artikel Staatsanwalt zeigt Nordkurierr-Chefredakteur an: Wenn ich diesen Artikel lese, fühle ich mich wie bei einer deutschen Zeitung mit vier großen Buchstaben. Für mich ist diese Anzeige vollgerichtig. Auch in dem erwähnten Artikel wird die Tat des Jägers mit der Art und Weise der Berichterstattung vermischt. Es geht doch darum, wie ein Artikel geschrieben wird. Dem Jäger geht es doch nicht um die Tat, sondern darum, dass er zeitlebens der "Rabaukenjäger" ist. Muss er das hinnehmen oder kann er sich dagen wehren? Genauso geht es deen Richtern. Die Journalisten des Nordkurier sollten sich schleunigst dafür entscheiden, was sie wollen. Sie sollten eine faire Berichterstattung leisten und die Regeln des Anstandes nicht vergessen. Dieses sollte auch öffentlich den Lesern kundgetan werden und verstecken Sie sich nicht hinter der Pressefreiheit. Ich hoffe, ich kann im Nordkurier auch in Zukunft vernüftige Artikel lesen. Grüße Oldach

Hallo Herr Wilhelm, ich bin kein Abonnent Ihrer Zeitung, doch lese ich diese bei meinem Vater öfter als Zweitnutzer :o) Die Sache mit dem Jäger, welcher sich gewiss auch nach den Jagdvorschriften nicht richtig verhalten hat, als er das Reh hinter sich her schleifte (und damit zum Ausdruck bringt was er von der Kreatur die er jagt hält) möchte wohl zu einer ausgewachsenen Provinzposse ausarten? Mir scheint da wiehert der Amtsschimmel der Rabauken ganz ordentlich, oder? Der Herr Weidmann sollte sich ruhig angepisst vorkommen, er hat sich nicht gut verhalten und dies ist öffentlich geworden - gut so! Die Redakteure gehören natürlich frei gesprochen und die unglaubliche Frechheit von einem Bussgeld gehört ebenfalls zurück genommen! Kann man das Bussgeld nicht vielleicht auch in bundesweit zu berichtende Beugehaft umwandeln? Dann würde ich als Schreiberling paar Tage Unterbringung auf Staatskosten vorziehen … Wo sind wir denn bloss gelandet mit diesem Land? Alles nur politisch korrekt denkende und schreibende Selbstzensur in den Medien? Man darf doch alles sagen und eine andere Meinung haben, oder? Vielleicht sogar gegenteiliger Ansicht? Lesen Sie mal den EULENSPIEGEL, da werden ganz andere unbequeme Wahrheiten ausgesprochen, zwar nützt das wenig bis gar nix und die betreffenden Herrschaften wissen ihnen kann nichts passieren, doch auch wenn der Nordkurier keine Satirezeitschrift ist, erwarte ich durchaus kontroverse Meinungsäußerung darin. Sowas hält der Leser anno 2015 schon aus und es müsste eigentlich keine Gerichte beschäftigen. Einfacher Menschenverstand und etwas weniger Wichtigtuerei bei den Mächtigen, wären ausreichend und vor allem angebracht! Das Nummernschild beim Volvo ist unkenntlich gemacht, damit sind die Rechte des Schänders gewahrt. Als Jäger sollte er vermutlich immer eine entsprechende Plastetüte im Auto haben um Unfallwild mitnehmen zu können, oder lässt man das einfach im Straßengraben vermodern? Also, die Presse sollte nicht klein bei geben, sondern ihrem Auftrag gemäß über die Empfindlichkeiten und Befindlichkeiten der Damen und Herren aus der Vorpommerschen Justitz berichten. Der Jägersmann muss sich vermutlich sowieso erklären … Ich würde mich sehr wundern wenn am Pasewalker Amtsgericht bald ein andere Ortsname erscheinen sollte - ja, ich meine Schilda! Vielleicht gibt es ja dort einen Leser, der sich den Spaß erlaubt und mit einem Edding … nee, den Gedanken lasse ich mal fallen … könnte ja sein ich bekomme Ärger! Mit freundlichen Grüßen Peter Stötzer Prenzlau

...aus Nachrichten. Artikel werden in vielen unterschiedlichen Stilformen abgefasst. Nicht mal die altehrwürdige "Tagesschau" veröffentlicht nur Nachrichten. Dort gibt es Korrespondentenberichte, Kommentare etc. - genauso funktioniert das bei der Tageszeitung. Wir schreiben Nachrichten, Berichte, Reportagen, Features, Porträts, Kommentare, Analysen und und und. Meinungsbeiträge werden bei uns klar gekennzeichnet. Im Fall des Rabauken-Jägers hat der Reporter die damals laufende hitzige gesellschaftliche Debatte gut zusammengefasst. Übrigens: Der Name des Jägers ist von uns zu keinem Zeitpunkt veröffentlicht worden. Ebenso wenig der Name der Richterin, die für das Wort Rabauke 1000 Euro Strafe angesetzt hat. Und ebenso wenig der Name des Staatsanwalts, der uns unsere Berichterstattung verbieten will. Simon Kaatz, Nordkurier