Spitzenverband unter Druck:

Stasi-Fall Thomalla soll schnell vom Tisch

Die Enthüllung der Stasi-Verquickungen von Michael Thomalla sorgte am Wochenende für Aufsehen in der Landespolitik. Am Dienstag will der Städte- und Gemeindetag über seinen Chef befinden.

Mehr als 400 Seiten mit Stasi-Berichten von Michael Thomalla sind erhalten.
Heiko Brosin Mehr als 400 Seiten mit Stasi-Berichten von Michael Thomalla sind erhalten.

Reinhard Dettmann brauchte am Wochenende nicht lange, um sich vom Wahrheitsgehalt der Nordkurier-Berichterstattung über die Stasi-Verstrickungen des Geschäftsführers des Städte- und Gemeindetages Mecklenburg-Vorpommern, Michael Thomalla, zu überzeugen. Nachdem er am Sonntag Rücksprache mit Marita Pagels-Heineking, Leiterin der Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU), gehalten hatte, befand Dettmann: „Was der Nordkurier geschrieben hat, ist sachlich richtig.“ Der parteilose Teterower Bürgermeister Dettmann ist Vorstandsvorsitzender des Städte- und Gemeindetages und damit Thomallas Arbeitgeber. Er sei völlig überrascht gewesen von den Vorwürfen, so Dettmann.

Der Vorstand des Städte- und Gemeindetages bemüht sich um die schnelle Aufklärung des Stasi-Falls. Bereits morgen soll das Gremium zu einer Sondersitzung in Schwerin zusammentreffen. „Es handelt sich um eine sehr ernste Angelegenheit“, sagte Dettmann. Das Gleiche habe er in einem kurzen Telefonat auch Michael Thomalla gesagt. Dieser habe sich ihm gegenüber zu den Vorwürfen nicht weiter geäußert. Für die Medien war er am Wochenende nicht zu erreichen.

Thomalla seit Anfang der 90er an der Verbandsspitze

Thomalla hatte sich als Kreissekretär der SED-Blockpartei LDPD 1983 verpflichtet, als Inoffizieller Mitarbeiter mit dem MfS zusammenzuarbeiten. In seiner dem Nordkurier vorliegenden handschriftlichen Verpflichtungserklärung gab er sich das selbst gewählte Pseudonym „Mike König“. Mit diesem Spitzelnamen unterschrieb er zahlreiche Berichte über LDPD-Parteifreunde. Zudem gab er interne Parteimaterialien an die Stasi weiter. Insgesamt seien mehr als 400 Seiten Berichte aus über sechs Jahren IM-Tätigkeit erhalten, sagte Marita Pagels-Heineking.

Den Schlüsselposten des Verbands-Geschäftsführers hat Thomalla bereits seit Anfang der 90er Jahre inne. Angesichts der Vorwürfe gehen einzelne Vorstandsmitglieder davon aus, dass er auf diesem Posten nicht mehr zu halten sein wird. Wenn sich die jetzt recherchierten Belastungen bewahrheiten, könne er nicht länger an der Spitze des kommunalen Verbandes stehen, sagte Andreas Grund (parteilos), Bürgermeister von Neustrelitz. Friedlands Bürgermeister Wilfried Block (parteilos) reagierte ähnlich. „Wir müssen auch darüber reden, wie die Stasi-Überprüfungen in der Geschäftsstelle abgelaufen sind“, sagte Block.

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