Lage der Studierenden in MV:

Studenten wollen die Bafög-Millionen für die Hochschulen haben

Die Bedingungen für Studenten im Land sind nicht rosig. Jetzt haben sie einen Forderungskatalog vorgelegt.

Zu wenig richtige Sitzplätze: So sieht für viele Studenten im Land der Alltag aus.
Jens Büttner Zu wenig richtige Sitzplätze: So sieht für viele Studenten im Land der Alltag aus.

Stickige Luft im Seminarraum. Alle Stühle sind besetzt. Viele Studenten haben keinen Platz bekommen. Sie müssen auf dem Boden sitzen. Trotz der Umstände heißt es: Konzentration! An den Universitäten in Greifswald und Rostock ist das Realität. Nach Ansicht der Konferenz der Studierendenschaft im Land Folge der Unterfinanzierung. Doch mit dem Geld, das die Länder künftig aus dem Bafög einsparen, könnten diese Mängel behoben werden, meinen sie.

Etwa 20 Millionen Euro hat das Land zur Verfügung, wenn der Bund ab 2015 die Mittel für das Bafög der Studenten übernimmt. Geld, das nicht zweckentfremdet werden darf, fordert die Studierendenschaft. Um die Probleme gezielt lösen zu können, haben die Interessenvertreter eine Empfehlung für die Aufteilung der freiwerdenden Mittel erarbeitet.

Viele Fachbereiche haben finanzielle Sorgen

„15 Millionen sollten direkt in die Lehre an den Hochschulen fließen“, sagt Erik von Malottki, Sprecher der Landeskonferenz und Student an der Universität Greifwald. In diesem Bereich bestehen die meisten Probleme. Er sieht in Greifswald ein ganzes Institut vor dem Aus: „Der Philosophischen Fakultät werden 2015 schätzungsweise 800  000 Euro fehlen. Das Institut für Slawistik ist von der Schließung bedroht.“ Das Bildungsministerium äußerte sich dazu auf Nachfrage nicht.

An der Hochschule Neubrandenburg sieht der dortige Präsident des Studierenden-Parlaments die praktischen Lehrangebote in Gefahr. Es fehle den Fachbereichen an Geldern und zuerst  werde der Etat für Exkursionen gekürzt, so Michael Schulz.

Das Bildungsministerium will sich nicht festlegen

Eine Million der freiwerdenden Mitteln sehen die Mitglieder der Studierendenkonferenz am besten in die soziale Infrastruktur investiert. Die Preise in den Mensen etwa seien bis zu zehn Prozent gestiegen.

Die restlichen vier Millionen Euro sollten in die Lehramtsausbildung investiert werden, schlägt die Interessenvertretung vor. Gerade in den Bereichen Sozialkunde und Naturwissenschaften fehlen Lehrkräfte, die mit einer besseren Ausbildung gewonnen werden könnten.

Das Bildungsministerium möchte sich noch nicht festlegen. Der Landesrechnungshof prüfe die Finanzsituation der Hochschulen. „Die Verwendung der frei werdenden Landesmittel wird unter anderem vom Ergebnis des Prüfberichts abhängen“, so ein Sprecher.