Risiko noch nicht absehbar:

Suche nach Ursache der Vogelgrippe läuft auf Hochtouren

Wer ist schuld an den Ausbrüchen der Vogelgrippe in Geflügelbeständen in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien? Wildvögel? Der internationale Handel? Die industrielle Mast? In die Spurensuche schalten sich auch Politiker ein.

In ganz Mecklenburg-Vorpommern gilt ab sofort eine Stallpflicht für sämtliches Nutzgeflügel.
Stefan Sauer In ganz Mecklenburg-Vorpommern gilt ab sofort eine Stallpflicht für sämtliches Nutzgeflügel. Rund 40 000 Halter sind von dem Erlass betroffen, dessen Einhaltung von Veterinärämtern und der Polizei kontrolliert werden soll.

Die Suche nach der Ursache für die Geflügelpest-Ausbrüche in europäischen Geflügelbeständen seit Anfang November läuft auf Hochtouren. Seit dem Nachweis des Erregers H5N8 in einer ansonsten gesund wirkenden Wildente auf Ummanz nahe Rügen sehen Forscher und auch Agrarminister Till Backhaus (SPD) den Verdacht erhärtet, dass Wildvögel beteiligt sein könnten. Das bundesweit zuständige Friedrich-Loeffler-Institut arbeitet mit Hochdruck an einer Risikobewertung für den Eintrag von H5N8 in Geflügelbestände. Sie soll in Kürze vorgelegt werden, möglicherweise bereits an diesem Dienstag.

Der Ornithologe Franz Bairlein von der Vogelwarte Wilhelmshaven warnte davor, andere mögliche Übertragungswege aus den Blick geraten zu lassen. Der Nachweis von H5N8 in der Wildente sei kein Beleg dafür, dass ein Wildvogel der Überträger auf die betroffenen Nutzgeflügelbestände ist, sagte er. "Wir müssen überlegen, wie ein so scheuer Wildvogel mit aufgestallten Puten in einem Mastbetrieb in Kontakt kommen sollte", sagte Bairlein in Anspielung auf den ersten Fall in Deutschland Anfang November in Heinrichswalde (Landkreis Vorpommern-Greifswald). Da seien noch viele Fragen offen.

Auch Futtermittel und Fleisch könnten H5N8 übertragen haben

Futtermittel und andere Tierprodukte, wie Fleisch, würden international gehandelt und könnten ebenso als Übertragungsweg für H5N8 in Betracht kommen, sagte Bairlein weiter. In Südkorea ist die Geflügelpest bereits in rund 30 Anlagen aufgetreten. "Die Wahrscheinlichkeit, dass die Vogelgrippe über einen Wildvogel übertragen wurde, ist nicht größer als dass es über internationale Tierprodukte erfolgt ist", sagte Bairlein.

Die agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion in Schwerin, Ursel Karlowski, nannte die Wildvogeltheorie eine gefährliche Vorfestlegung. "Die Ursachen für die H5N8-Infektion müssen mit Hochdruck auch im Tierhaltungssystem selbst gesucht werden", sagte sie. Sie kenne keine Möglichkeit, wie ein Wildvogel in direkten Kontakt mit einer der Mastputen aus dem betroffenen Betrieb in Heinrichswalde hätte kommen können. Auch sei es ihrer Meinung nach höchst zweifelhaft, dass die Freilandgeflügelhaltung zur Vogelgrippe beitrage.

Virus aus Mastanlagen in die Natur gelangt?

"Viel wahrscheinlicher ist es, dass umgekehrt H5N8-Viren aus Mastanlagen heraus in die Natur gelangen und dort zu Ansteckungen von Wildvögeln führen können", meinte Karlowski. Die Abfälle und Reststoffe der Geflügelmastanlagen in Mecklenburg-Vorpommern müssten untersucht werden, ob sie mit Infektionserregern, wie dem H5N8-Virus, kontaminiert sind.

Agrarminister Till Backhaus (SPD) hatte nach dem Nachweis von H5N8 in der Wildente am Wochenende eine Stallpflicht für sämtliches Nutzgeflügel im Land angekündigt. Am Montag erließen die Landkreise die entsprechenden Verfügungen. Ausgenommen sind Tauben, die als nicht anfällig für die Vogelgrippe gelten.

Empfohlene Schutzmaßnahmen gegen Ausbreitung der Vogelgrippe

Zugang zu Geflügelställen begrenzen, Desinfektionsmittelwannen einsetzen und Freilandhaltung einschränken - diese und andere Maßnahmen empfiehlt das zuständige Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zur Vermeidung einer weiteren Ausbreitung der Vogelgrippe. Sollten in einem Geflügelbetrieb pro Tag mehr Tiere als gewöhnlich verenden oder die Zahl der gelegten Eier auffällig zurückgehen, muss zur Prüfung unverzüglich ein Tierarzt gerufen werden.

Das Institut empfiehlt Geflügelbetrieben, nur noch berechtigten Mitarbeitern in Schutzkleidung Zugang zu Ställen zu gewähren. Am Eingang der Stallungen sollen Wannen oder Matten zur Desinfektion eingerichtet werden, um eine Übertragung des Virus etwa über die Schuhe zu vermeiden. Die Geflügelfütterung bei Freilandhaltung soll nur noch in einem geschützten Bereich erfolgen, um Wildvögeln - die Träger des Virus sein könnten - keinen Zugang zu ermöglichen. Auch sollen offene Wasserquellen in den Auslaufbereichen vermieden werden, um keine Wildvögel anzuziehen.

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