Ausflüchte werden kaum noch möglich sein:

Superblitzer auf dem Vormarsch

Viele Starenkästen in der Region sind in die Jahre gekommen. Ihnen folgen nun stellenweise hochmoderne Geräte nach, die in beide Richtungen blitzen und sogar Bilder in Farbe erstellen können. Die Investition lohnt sich offenbar für die Landkreise.

Die Super-Blitzer können in beide Richtungen blitzen. Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte gibt es bereits drei von diesen Wunderwerken der Technik.
Tim Brakemeier Die Super-Blitzer können in beide Richtungen blitzen. Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte gibt es bereits drei von diesen Wunderwerken der Technik.

Wenn der Landkreis schon mal schreibt, dann will er meistens was. Oft will er etwas Geld wegen Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Das ist ärgerlich. Zum einen wegen der mehr oder weniger hohen Summe, die zu zahlen ist. Zum anderen, weil man sich das Geld echt hätte sparen können, zumindest wenn man von einem „Blitzer“ erwischt wurde, der seit Jahr und Tag an der gleichen Stelle steht. Von den sogenannten Starenkästen gibt es in der Region nicht nur gefühlt gar nicht mal so wenig. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald sind es zwölf, im Landkreis Mecklenburger Seenplatte sogar
20, von denen aber immer nur neun mit Kameras bestückt, also aktiv sind. Die ältesten dieser stationären Geschwindigkeitsmessanlagen sind schon über 20 Jahre alt, wie zum Beispiel die in Vipperow, die 1991 in Betrieb ging, die in Kruckow (1992) oder die in Alt Schwerin (1993).

Säule funktioniert ohne Induktionsstreifen

Der neueste Schrei sind die sogenannten Super-Blitzer, von denen es im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte bereits drei gibt: in Warlin, Neustrelitz und Mirow. Die schmucke Säule am Straßenrand hat gegenüber den normalen Starenkästen und aus Sicht des Landkreises die Vorteile, dass sie in beide Richtungen blitzen kann, dass nicht zu erkennen ist, ob sie scharf geschaltet is,t und dass sie mit Laser arbeitet, also keine Induktionsstreifen im Straßenbelag braucht. Die werden bei Straßenbauarbeiten nämlich oft zerstört, erklärt Bodo Krumbholz vom Ordnungsamt des Landkreises. Außerdem macht das Gerät vom Typ PoliScan Speed bessere Bilder, bei Bedarf sogar in Farbe. Allerdings werden im Landkreis schon seit einiger Zeit keine Ausdrucke mehr verschickt. Dafür gibt es auf den schriftlichen Verwarnungen des Ordnungsamtes eine Zugangskennung und ein Passwort, damit sich die Temposünder das Foto im Internet angucken können. Bis dahin wurden die Beweisbilder auf so billigem Papier gedruckt, dass die Person darauf kaum noch zu erkennen war – oder das zumindest behaupten konnte.

In solchen Fällen können laut Bodo Krumbholz natürlich keine Geldstrafen erhoben werden, doch die bringen den Landkreisen recht viel Geld ein. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald waren es im vergangenen Jahr rund 2,5 Millionen Euro und in der Mecklenburger Seenplatte im Jahr 2011 fast 1,7 Millionen Euro – nur aus stationären Blitzern. Aktuell gibt es solche Zahlen nicht mehr, da die Bußgelder für Geschwindigkeitsüberschreitungen nicht mehr extra abgerechnet würden, erklärt Bodo Krumbholz.

Unfallkommission wählt Standorte aus

Nun sei es aber nicht so, dass die Starenkästen und Blitzer-Säulen an den vielversprechendsten Stellen aufgebaut würden, um den jeweiligen Haushalt aufzubessern. Die Standorte würden durch die Unfallkommissionen der Landkreise an Stellen und Strecken festgelegt, an denen gehäuft Unfälle aufgrund überhöhter Geschwindigkeit auftreten, berichtet Achim Froitzheim, Pressesprecher in Vorpommern-Greifswald. Die Kommission setzt sich aus Vertretern des Landkreises, der Straßenbauämter und der zuständigen Polizeiinspektion zusammen. Und wenn sie sich für einen Standort entscheidet, muss der auch noch vom Landesamt für Straßenbau und –verkehr genehmigt werden.

Das ist in anderen Bundesländern wohl nicht so. Wie die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtet, gebe es in Nordhessen „Landstraßen, an denen jeder Ort seinen Blitzer hat – als hätten sich die Bürgermeister die Einnahmequelle beim Nachbarn abgeschaut.“ Während die Einnahmen der hiesigen Landkreise kaum der Rede wert sind, wird an westdeutschen Autobahnen ordentlich kassiert. So gibt es an der A3 einen Blitzer, der der Stadt Köln im vergangenen Jahr fast 8 Millionen einbrachte. An der A2 betreibt die Stadt Bielefeld eine Anlage. 2014 erwartet sie von ihr bis zu sieben Millionen Euro.

In Brandenburg stehen die meisten Blitzer wegen Vandalismus und Geldmangel leer. In der Uckermark wurden sie bereits vor Jahren stillgelegt. Dafür setzt man dort auf mobile Blitzer.

Gerast wird nach wie vor

Ganz anders in Mecklenburg-Vorpommern. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald soll ein Starenkasten, der leer stand, sogar wieder reaktiviert werden. In der Mecklenburger Seenplatte soll zwar eine Messstelle abgebaut werden, weil dort nicht viel passiert. Bodo Krumbholz ist allerdings kein Freund des Rückbaus, da er befürchtet, dass gerade dann ein schlimmer Unfall passiert und dann eben der fehlende Blitzer Schuld hat.

Denn gerast wird nach wie vor. Von den über 9 Millionen Fahrzeugen, die in der Mecklenburger Seenplatte 2013 gemessen wurden, waren fast 50 000 zu schnell. Die meisten davon waren bis zu zehn Stundenkilometer drüber, 37 Fahrer lagen allerdings auch mit 61 und mehr Sachen drüber. In Vorpommern-Greifswald liegen die zweifelhaften Rekorde bei 127 Stundenkilometer bei erlaubten 50 in Pasewalk und 170 Stundenkilometer bei zulässigen 80 auf der B 199 bei Iven.

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